„Sie sind heute eigentlich in der verrückten Situation, in ein Hochsicherheitsgefängnis freiwillig gehen zu wollen und dafür auch noch Geld zu bezahlen“. Das war die Begrüßung unseres Tourguides Francis am Morgen. Es geht nach Alcatraz – auch ‚The Rock‘ genannt – die wohl berühmteste Gefängnis-Insel der Welt. Von Pier 33 aus – gerade mal 300 Meter vom Schiff entfernt – bringt uns ein Fährschiff nach 15 Minuten Fahrt hin. Trotz des frühen Morgens war es schon voll – alle Touristen wollen einmal dort gewesen sein. Jeder hat die auf Alcatraz spielenden Kinofilme in Erinnerung und verbindet damit konkrete Erwartungen.

Die Entfernung zum Festland beträgt höchstens eine Meile. Kalt und windig ist es auf der Insel. Es gelten die Regeln: Essen und Trinken nur an der Bootsanlegestelle, keine Steine oder sonstige Inselbestandteile mitnehmen.
Man fühlt sich etwas beklommen, wenn man vor dem Zellentrakt auf der Hügelspitze steht. Der Fußweg ist relativ steil und dauert ca. 10 Minuten.

Alle Besucher erhalten einen Kopfhörer mit Audioführung. Toll gemacht, wie ein Hörspiel, spannend und abwechslungsreich. Erster Eindruck: Gut, dass Alcatraz nur knapp 30 Jahre (von 1934 bis 1963) Staatsgefängnis war. Alles viel kleiner als erwartet, weniger als 300 Zellen, nur Einzelzellen, in drei Etagen übereinander.
Jede Zelle misst ca. 3 x 2 Meter: ein Waschbecken, daneben ein WC-Topf, ein an die Wand geschraubter Tisch von etwa 70 x 70 cm, daneben ein an der Wand befestigter Sitz, eine Pritsche, an der Stirnseite ein Regalbrett. Privatsphäre? Fehlanzeige! Jeder Zellenwärter kann jederzeit durch das offene Gitter an der Vorderseite schauen und die bewaffneten Wärter können von ihren erhöhten Laufgängen aus in die Zellen schießen.

Unser Audioguide bringt uns zum Freigelände, das bei guter Führung für eine Stunde pro Tag betreten werden durfte. Weiter geht es zur Bibliothek, zur Küche, zum Speisesaal und zum Verwaltungstrakt.



Nicht verschwiegen werden ebenfalls die teilweise berühmten Insassen, wie Al Capone oder die Revolten und Ausbruchsversuche.

Alles ist grau, trist und auf Sicherheit ausgelegt. Die Führung dauert etwa eine Stunde, die Besucher frösteln und sind froh, wieder aus dem Zellentrakt herauszukommen. Unglaublich, dass dort Gefangene mehr als 20 Jahre vegetiert haben, ohne den Verstand zu verlieren. Bis auf Al Capone – der verlor seinen Verstand als Spätfolge von Syphilis.

Typisch amerikanisch- wir kommen aus dem Gefängnistrakt und treten direkt in einen Souvenirshop, in dem jeder Besucher sein Andenken findet.
Die Besonderheit: einer der letzten Überlebenden Insassen von ‚The Rock‘, mittlerweile weit über 80 Jahre alt, sitzt mitten im Raum und signiert sein Buch über die Zeit in Alcatraz.

Uns hat es eine Blechtasse angetan mit der geprägten Inschrift: US Prison Alcatraz. Außerdem finden wir noch ein T-Shirt mit einer der Regeln von Alcatraz: „Gefangene erhalten Unterkunft, gutes Essen, warme Kleidung und medizinische Versorgung. Alles andere sind Privilegien, die man sich verdienen muss.“
Fisherman’s Wharf – die Drosselgass‘ von San Francisco
Die Bootsfahrt zurück führt uns in eine andere Welt: Fisherman’s Wharf! Durchatmen, das Frösteln hört auf – sie haben uns tatsächlich wieder aus Alcatraz abreisen lassen!
Fisherman’s Wharf ist eine der größten Touristenattraktionen von Frisco. Entstanden ist es um 1900, als sich dort italienische Fischer ansiedelten. Heute ist es überschwemmt mit Fressbuden, Souvenirläden und den Überresten der alten Schokoladenfabrik Ghiradelli. Es ist wie die Drosselgass in Rüdesheim!!


Natürlich geht man zum berühmten Pier 39 und schaut sich die Robben an, die träge in der Sonne liegen und Grunzlaute von sich geben. 
Ebenso findet man hier das ‚Bubba Gump‘ aus Forrest Gump – ein Lokal mit Fischspezialitäten 
Die Preise sind horrend – es gibt hier die in USA berühmten Sourdough-Rolls – einfache Brötchen aus Teig – für sage und schreibe 10 Dollar pro Stück.

Und jede Menge Klimbim, den kein Mensch braucht. Der Blick allerdings auf das Wasser und Alcatraz ist sehr schön. Und wer Lust hat, kann hier mit dem Boot unter der Golden Gate Bridge herfahren.
Sausalito – eine ungewöhnliche Karriere
Wir fahren jedoch nach Sausalito. Das ist eine kleine Stadt im Marin County, direkt in der Bucht von San Francisco. „Sauscelito“ bedeutete ursprünglich ‚Kleine Weide‘. Davon ist heute nichts mehr zu sehen. Hier wohnen die Reichen, was man schon an den Yachten im Hafen sieht.

In den 1960ern gab es in Sausalito einen Rotlichtbezirk, den häufig die Politiker aufgesucht haben. Und zwar bevorzugt bei einer bestimmten Dame, namens Molly. Nach einigen Jahrzehnten wurde sie zu alt, um ihrem Gewerbe nachzugehen. Sie übernahm eine Bar, fand das jedoch sehr langweilig. Deshalb überlegte sie, etwas Sinnvolles mit ihrem Leben anzufangen und in die Politik zu gehen. Sie schaffte es mühelos, die Bürger von sich und ihren Ansichten zu überzeugen. Die Karriere hatte ihren Höhepunkt, als sie Bürgermeisterin wurde. Daraufhin wurde sie zur berühmten Talkshow von Jonny Carson eingeladen. Natürlich kam die Frage: Wie sie zur Politik gekommen ist und woher sie Kenntnisse darüber hat. Darauf antwortete sie: „Ich habe unter so vielen Politikern gearbeitet, da weiß ich wie Politik funktioniert!“
Wir haben in Sausalito im besten Eisladen ein tolles Eis gegessen: Hawaiian Salt Vanillacream and Pecanut. Lecker!! Und die Aussicht genossen. Das Eis gab uns schon einen kleinen Vorgeschmack auf unser nächstes Ziel: Hawaii 🌺!


