Der Aufruf kam per Post (jeder Stateroom hat einen eigenen Briefkasten): An alle Angehörigen aus dem Reich Neptuns. An alle Haie und Schwertfische und anderes fischiges Volk; an alle Seeschlangen und Wale; an alle Meerjungfrauen, Sirenen und lockenden Schönheiten der Bucht: Am heutigen Tag überquert die Queen Victoria den Äquator – und das ohne vorherige Genehmigung seiner kaiserlichen Majestät Neptun.
Einladung zu einer der ältesten Traditionen – der Äquatortaufe.
König Neptun, seine Königin und das Gericht – bestehend aus zahlreichen Meerjungfrauen und anderen fähigen Helfern unterstützen die tapferen Gäste, die zum ersten Mal den Äquator als Pollywogs (Kaulquappen) überqueren. Sie müssen Neptuns Genehmigung einholen und ihre Sünden büßen. Erst nach erfolgreicher Buße hoffen alle auf die Erlaubnis, den Äquator zu überqueren zu dürfen und damit in den Rang des Shellbacks (Seebären) aufzusteigen.
Als erstes marschierten die Helfer ein. Sie hatten lustige Gummihandschuhe auf dem Kopf.

Danach kam das Oberste Gericht mit der Anklage: die Genehmigung für die Überquerung des Äquators darf erst erteilt werden, wenn die Kaulquappen für Ihre Sünden büßen.

Sodann marschierte König Neptun mit seiner reizenden Königin ein (es war ein gut aussehender junger Mann).


König Neptun drohte allen, die versuchen, ohne Genehmigung in sein Reich einzudringen. Er betonte, die Strafen seien fürchterlich: zuerst müssen alle Kaulquappen einen Fisch küssen. Das zahlreiche Publikum johlte. Danach werden sie mit ekligen Sachen aus den Meer übergossen (in diesem Fall: restliche Spaghetti mit übrig gebliebener Tomatensoße, Cremes mit Lebensmittelfarbe). Unter den Zuschauern gab es kein Halten mehr!


Mit 85 Jahren zum Seebären
Alle Gäste, die sich zur Zeremonie angemeldet hatten, wurden in Gruppen aufgeteilt – ich war der Fotograf – Norbert hat teilgenommen.
Desna, die ältere Dame von unserem Tisch, war ebenfalls noch ein Pollywog und wollte unbedingt die ganze Zeremonie mitmachen. Ihr Mann Ian war ein bisschen ängstlich, da die Tradition doch etwas rauh durchgeführt wird. Desna ließ sich nicht davon abbringen. Ian bat Norbert, auf Sie aufzupassen, was er gerne tat.
Endlich war es soweit – die erste Gruppe Kaulquappen marschierte ein: die Heldin war Desna mit 85 Jahren die älteste Teilnehmerin. Sie genoss den Einzug sichtlich!

König Neptun las die Sünden vor: die Pollywogs hatten alle Knöpfe im Aufzug gedrückt (bis Etage 12) und sind dann im 2. Stock ausgestiegen. Die Frage Neptuns an das Volk lautete: „Schuldig oder nicht schuldig?“ Das Volk rief: „Schuldig!“ Dies war eine gute Gelegenheit, den Gästen ihre Sünden unter die Nase zu reiben!
Sodann mussten alle den Fisch küssen, wurden mit Creme und Spaghetti eingeschmiert- und mussten dann in den Pool springen, um sich reinzuwaschen. Glück hatte, wer wie Norbert und Desna in der ersten Gruppe teilnahm, da war das Wasser noch sauber!





By the way- I can’t swim
Alle sprangen in den Pool und Desna sagte zu Norbert: „By the way, I can’t swim“. Norbert trug die Heldin bzw. den frischgebackenen Shellback (Seebären) durch das Wasser bis zur Leiter und brachte sie in Sicherheit.

Die nächsten Gruppen wurden für schuldig befunden Cookies angebissen und dann wieder aufs Buffet zurück gelegt zu haben (da war ich dann doppelt dankbar, im Restaurant zu essen). Oder sich den Teller vollgeladen zu haben und fast nichts davon gegessen zu haben.
Abends wurde Norbert am Tisch als großer Held gefeiert- und Desnas Ehemann gab Wein aus. Desna sagte, sie habe schon lange nicht mehr so viel Spaß gehabt.
Die wahren Helden sind jedoch diejenigen vom Personal, die den Pool innerhalb von 2 Stunden mit dem Hochdruckreiniger gereinigt und wieder befüllt haben.

Wir sind auf dem Weg nach Samoa – ein Traum wird wahr!