Wir laufen den kleinen und zentral gelegenen Anlegeplatz am einzigen Pier des Königreiches Tonga an. Es ist ein Wochentag, sodass alle Geschäfte geöffnet sind. Denn auch hier wie in Samoa gilt die Sonntagsruhe.

Das Christentum ist hier von methodistischen Missionaren eingeführt worden. Einer davon hat die Verfassung des Landes geschrieben und die Staatsflagge entworfen: ein rotes Kreuz auf weißem Grund. Damit man sie nicht mit dem Internationalen Roten Kreuz verwechselt, hat man später das rot-weiße Emblem in die obere linke Ecke verschoben.

Am Pier werden wir von massig ausschauenden dunkelbraunen Männer in traditioneller Kleidung und hübschen Frauen mit Blumen im Haar begrüßt: eine musikalische Darbietung- sehr authentisch!



Für uns steht ein Bus bereit, der uns zu den Highlights der Insel bringen wird. Der Bus hat eine natürliche Klimaanlage: offene Fenster. Für Engländer und Amerikaner sehr ungewöhnlich.

Reiseleiter für diesen Tag ist ‚Lava‘, etwa 30 Jahre alt, gebürtiger Tonganer, der seine Highschool-Zeit auf Hawaii verbracht hat. Nach dem Studium arbeitete er ein Jahr als Englischlehrer in Japan. Eigentlich ist er IT-Spezialist, wenn viel los ist (und 1.800 Passagiere ist sehr viel für diese kleine Insel) hilft er als Reiseleiter aus.

Ein Glücksfall: er macht seine Sache sehr gut, liefert Hintergrundinformationen über Land und Leute, Geschichte und Kultur. Er trägt wie alle Männer hier auf der Insel (und auch auf Samoa) einen schwarzen Herren-Rock, mit bunten Hemd. Allerdings trägt man um Respekt zu zeigen zusätzlich eine traditionelle geflochtene Bastschärpe um die Hüften. Es sieht ein bisschen merkwürdig aus, wenn er mit dieser Bekleidung ganz professionell sein Handy bedient.
Die Schulkinder tragen alle eine Schuluniform der jeweiligen Schule.


Zunächst besuchen wir die üblichen Sehenswürdigkeiten: den Palast des Königs (zur Zeit des Königs George Tupualou VI) direkt am Ufer neben dem Pier in der Hauptstadt Nukualofa, dann die Königsgrabstätten.



In der Nacht hat es heftige Regenfälle gegeben, die Wiesen sind nass, die Temperaturen bei ca. 30 Grad Celsius, die Luftfeuchtigkeit bei ungefähr 70 – 80 Prozent!
Viele Gebäude sehen arg ramponiert aus, die noch nicht ganz bewältigten Folgen zweier Wirbelstürme unmittelbar hintereinander vor zwei Jahren. Viele öffentliche Einrichtungen sind aber schon repariert oder gleich neu gebaut worden. Hilfe kam aus Neuseeland und Australien, aber auch aus Japan und China.

Und es gibt hier einen offiziellen Evakuierungsplan für den Fall eines Zunamis.

Am Rande der Hauptstadt besuchen wir ein touristisches ‚Start-Up‘, von einer tonganischen Grossfamilie gegründet.

Sie präsentieren alles, was für Tonga typisch ist: traditionelle Bekleidung, Tänze und ihre Bedeutung, die Früchte der Insel und die schmackhaften Gerichte, die man daraus zubereiten kann. Wichtig auch die Produktion von Matten für die Häuser, die Herstellung von Naturheilmitteln und vieles mehr. Gezeigt wird auch, wie man von einer Kokosnuss alle Bestandteile verwenden kann und die Zubereitung von Kokosmilch.








Das alles findet in einem mit Palm-Blättern gedeckten großen Gebäude ohne Wände statt. Auch hier hatte der Wirbelsturm alles zerstört, die Familie ist noch im Wiederaufbau. Alle drei Generationen: Großmutter, Tochter und Enkelin sind aktiv an der Präsentation beteiligt. Eine der Töchter (Ende Zwanzig) ist die Moderatorin und erklärt die einzelnen kulturellen Besonderheiten. Sie hat lange in Australien gelebt und spricht exzellentes Englisch. Sie kam nach dem Wirbelsturm mit ihrer Familie zurück, um beim Wiederaufbau zu helfen.
Das wichtigste ist die rituelle Kava-Zeremonie, ohne die auch auf Tonga kein König gekrönt werden kann. Dazu wird sehr feierlich ein Getränk aus einer speziellen Baumwurzel gewonnen und in einer halbierten Kokosnuss-Schale gereicht. Es soll eine leicht euphorisierende und schmerzstillende Wirkung haben. Der Geschmack ist mehr als gewöhnungsbedürftig!
Dann schon lieber eine Kostprobe von dem in Bananenblättern eingewickelten und in einem ‚umu‘ (einem Erdofen aus erhitzten Steinen) zubereiteten Feiertags-Essen aus Schweinefleisch, Huhn oder Fisch mit Süßkartoffeln, Kokosmilch und Gewürzen.


Zwei Stunden sind wie im Flug vergangen, der Einblick in den tonganischen Way of Life war spannend und abwechslungsreich. Weiter geht es zu einem Küstenabschnitt mit einer atemberaubenden Aussicht auf das türkis-grüne Meer. Kein Strand, sondern Felsen und Korallen, die waagrecht abgeflacht sind und in denen sich kleine Löcher befinden, sogenannte Blow-Holes, durch die das Wasser wie in einem Geysir ein bis zwei Meter hoch gepresst wird.




Am frühen Nachmittag endet die offizielle Tour, aber unser Tourguide Lava erklärt sich bereit, uns zu zeigen, wo man eine ‚Lava-Lava‘ (also den traditionellen Männerrock) erstehen kann. Ein einheimisches Geschäft, nur wenige Schritte von der Hauptstraße entfernt, hat das Gewünschte in allen Grössen verfügbar. Dazu die passenden Hemden mit einheimischem Muster – alles für kleines Geld.


Zur Belohnung eine Getränkeeinladung, wobei Lava keinerlei Alkohol trinkt (seine Freundin kommt aus Utah und ist Mormone). Das „Friends“, indem wir dann sitzen, ist ein angesagter Szene-Treff der Stadt Nukualofa.

Zurück an Bord gegen 18 Uhr sagen alle das gleiche: Beeindruckend zu sehen, wie die Menschen hier im Einklang mit der Natur leben und glücklich sind.

Die nächste Destination ist Neuseeland – wunderbar!