Saigon – der Spagat zwischen Armen und Reichen

Ho-Chi-Minh-Stadt erhielt ihren Namen im Jahre 1976, nachdem Nord- und Südvietnam wiedervereinigt worden waren. Der alte Name Saigon ist in Vietnam umgangssprachlich insbesondere für den städtisch geprägten Kern (1. Bezirk) heute nach wie vor in weitem Gebrauch. Auch im Ausland ist der alte Name Saigon noch in Verwendung.

Ursprünglich trug die Stadt den Namen Prei Nokor (Khmer Sprache: Dorf im Wald). Die Bezeichnung Saigon ist eine Übersetzung dieses Namens ins Vietnamesische.

Die angegebenen Einwohnerzahlen schwanken. Unser Tourguide Thuy gab an, dass in Saigon 10 Millionen Menschen leben.

Hier im Mekongdelta gibt es keine Unwetter. Deshalb sind die Häuser einfach gebaut und halten dem normalen Regen stand.

Das geringe Einkommen sorgt dafür, dass die jungen Leute erst sehr spät eine Familie gründen. Außerdem gibt es einen großen Männerüberschuss, da der Staat die Anzahl der Kinder reguliert hat (möglichst nur eins, maximal zwei) und männliche Nachkommen bevorzugt werden. Das hat dazu geführt, dass weibliche Säuglinge abgetrieben wurden und dieser Männerüberschuss zustande kam. Thuy ist 31 Jahre alt und hat keine feste Freundin. Er sagt, er muss sich erst eine Existenz aufbauen..

Die erste Station in Saigon ist ein Museum, in dem wir die Entstehung und Entwicklung Saigons sehen. Die heutige Ho-Chi-Minh-Stadt verdankt ihr Erscheinungsbild und ihren Charakter vor allem den französischen Kolonisten (17. Jahrhundert). Im Rahmen eines breit angelegten Programms öffentlicher Bauvorhaben wurden Kanäle zugeschüttet und Sumpfgebiete trockengelegt.

Die Lebensbedingungen der Vietnamesen waren während der französischen Kolonialherrschaft sehr schwer. Ihr Widerstand äußerte sich vor allem in Form zahlreicher Streiks in den 1920er und 1930er Jahren. Die Nationalbewegung erstarkte allerdings erst, nachdem der Zweite Weltkrieg Südostasien erreicht hatte. Am 28. Juli 1941 nahmen japanische Truppen Saigon ein.

Die Augustrevolution 1945 führte zur Unabhängigkeit von Vietnam. Als der Zweite Weltkrieg zu Ende war, bekam die britische Armee den Auftrag, die japanischen Truppen im südlichen Vietnam zu entwaffnen. Als die Briten am 13. September 1945 in Saigon eintrafen, verhalfen sie den Franzosen sogleich wieder an die Macht und schufen damit die Grundlage für einen 30 Jahre andauernden Krieg. Nach anfänglichen Zugeständnissen an die Việt Minh entschloss man sich im Dezember 1946 auf französischer Seite, die Organisation militärisch zu beseitigen und den alten Status der Kolonie wiederherzustellen.

Nach der Wiedervereinigung von Nord- und Südvietnam 1976 wurde Saigon nach dem früheren nordvietnamesischen Präsidenten Ho-Chi-Minh benannt.

Erst seit 1986, als mit der Erneuerungspolitik die Liberalisierung der Wirtschaft eingeleitet wurde und die Marktwirtschaft eine neue Chance erhielt, hat sich Ho-Chi-Minh-Stadt rasant zum Finanz- und Wirtschaftszentrum Vietnams entwickelt, wovon einige schimmernde Wolkenkratzer und Nobelhotels im Stadtzentrum zeugen.

Buddhismus ist mit über 50 Prozent nach wie vor die herrschende Religion. Das wird auch im Museum sehr deutlich.

Ho-Chi-Minh-Stadt ist direkt der Zentralregierung unterstellt und somit formell einer Provinz Vietnams gleichgestellt. Sie wird von einem Volksrat regiert, der zumindest in der Theorie von der Bevölkerung gewählt wird. Der Volksrat ernennt ein Volkskomitee als seinen ausführenden Arm. Diese Struktur ist ähnlich der Struktur der Zentralregierung Vietnams. Die Stadtregierung hat sich der Zentralregierung unterzuordnen. Ratsvorsitzender ist Huynh Dam, Vorsitzender des Volkskomitees Le Thanh Hai, der sehr prominent am Eingang des Museums zu sehen ist.

Wir werden Zuschauer eines Wasserpuppenspiels, das früher sehr traditionell und populär war, jedoch heutzutage nur noch für die Touristen durchgeführt wird. Dabei werden Puppen mit Stangen unter Wasser – in unserem Fall von 4 Studenten – geführt und so professionell bewegt, dass man wirklich das Gefühl hat, sie tanzen auf dem Wasser.

Im Museum sind sehr viele Kinder und Jugendliche unterwegs, die aufmerksam ihren Lehrern beziehungsweise Dozenten zuhören. Wir treffen hier auf Studentinnen, die Marketing und Tourismus studieren. Das Studium dauert 4 Jahre.

Anschließend fahren wir weiter zum Parlamentsgebäude- ein beeindruckender Bau mitten in der Stadt.

Das alte Postamt der Stadt ist erhalten und wurde zu einer Mall umfunktioniert. Auch das Innere des Gebäudes wurde aufwändig renoviert.

Die Kirche gegenüber dem Postamt wurde Nach dem Vorbild von Notre Dame in Paris gebaut – ein Überbleibsel des französischen Kolonialismus. Sie war leider wegen Renovierung geschlossen.

Auf dem Weg zum Rathaus von Saigon sehen wir zufällig ein Fotoshooting für eine Verlobung. Das junge Paar posiert, rennt, hüpft und küsst sich vor der Kamera.

Das Rathaus ist ein imposanter Bau, der von wunderschönen Pflanzen eingerahmt wird.

Und die Straßen der Stadt sind mit tollen Lampen und Bögen geschmückt. Man kann sich nur schwer vorstellen, dass die meisten Einwohner nicht viel Geld haben.

Unseren Lunch nehmen wir im Equitorial Hotel ein – ein 5 Sterne Hotel mit einem imposanten Eingang. Dort treffen wir auf eine Riesenverlobungsfeier (was machen die erst bei der Hochzeit?), denn wir wissen nun, wie wichtig das aufgrund des Frauenmangels ist.

Das Essen ist wunderbar gewürzt mit Kräutern, Kokosmilch und Chili. Hier erfahren wir, dass die Vietnamesen zum Frühstück Nudeln mit Fisch essen. Und die Fischsauce ist jeweils Grundlage für die Speisen.

Während wir unser Essen genießen unterhält uns eine Gruppe junger Chinesinnen mit traditioneller Musik und ebensolchen Tänzen – faszinierend und wunderbar.

Auf der Fahrt zu unserem nächsten Ziel erzählt unser Tourguide interessante Dinge über Vietnam. Das günstigste Mofa kostet 200 Hongkong Dollar. Das ist bei einem durchschnittlichen Tageslohn von 10 bis 15 Dollar nicht wenig, aber erschwinglich.

Es besteht Helmpflicht- allerdings gibt es für die Helme keine definierten Standards wie bei uns. So kaufen sich die Einwohner Helme für 5 Dollar. Man kann sich denken, dass die Qualität dabei zu kurz kommt.

Das Durchschnittseinkommen liegt bei 2.500 Dollar pro Jahr. Da das zum Leben nicht ausreicht, nehmen viele noch einen Nebenjob an oder versuchen, Produkte zu verkaufen. Thuy sagte uns, dass die Einwohner sich nicht darum kümmern, was die Partei macht. Denn jeder ist auf sich selbst gestellt und muss sehen, wie er zurechtkommt. Der Staat bzw. die Partei unterstützt niemanden. Wir hatten eine andere Vorstellung von kommunistischen Parteien.

Der nächste Stopp ist der Thien Hau Tempel, der dem Seegott gewidmet ist. Vor dem Tempel sitzt ein Vogelhändler, bei dem die Menschen ihre Seele befreien können. Man kauft für 1 Dollar einen Vogel – und lässt ihn dann frei. Mit diesem Ritual ist auch die eigene Seele frei. Allerdings wissen die Einheimischen, dass der freigelassene Vogel wieder zurückkehrt, da er von dem Vogelhändler gefüttert wird – ein einträgliches Geschäft!

Im Tempel darf man für ein paar Dollar eine Rauchspirale entzünden und sich etwas wünschen. Die Spirale brennt dann nach oben ab, der Wunsch geht dann gen Himmel und (hoffentlich) in Erfüllung. Wir haben uns etwas gewünscht- bleibt aber geheim!

Am Schluss besuchen wir noch ein Art-Manufacturer. Hier werden aus Eierschalen, Muschelresten oder einfach mit Farbe schöne Bilder hergestellt.

Unser Resümee: die Stadt ist voller Überraschungen und zeigt zwei Gesichter – die der armen und die der reichen Bevölkerung. Wir sind auf Nha Trang gespannt – den Urlaubsort der Vietnamesen.

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