Nach der Großstadt Saigon – heute nun der etwa 250 km entfernte Hafen von Nha Trang.

Eine Stadt, die immerhin auch mehr als 300.000 Einwohner hat. Da die Zählungen nicht so genau sind, sagen auch manche über 600.000! Die Küste bietet schöne vorgelagerte Inseln und breite, lange Sandstrände. Sie ist bei Vietnamesen als auch bei ausländischen Touristen ein beliebtes Urlaubsziel. Deshalb ist es sehr voll in der Umgebung. Vor allem asiatische und russische Urlauber suchen nach einem preiswerten Badeurlaub im März ) – das Thermometer zeigt locker über 30 Grad. Und jetzt kommen auch noch mehrere tausend Kreuzfahrtpassagiere. Nicht nur die Queen Victoria liegt vor Anker, sondern auch von TUI ‚Mein Schiff‘.
Auch Na Trang ist ein Tenderhafen. Heute klappt das Tendern jedoch reibungslos und unser Ausflug startet pünktlich. Der Tourbus bringt uns in das Stadtzentrum, eine Fahrt von 15 Minuten. Heute haben wir zu Beginn etwas besonders Spannendes vor: wir möchten uns mit einer Fahrradrikscha in das Verkehrsgewühl stürzen. Dazu muss man wissen, das der Verkehr in Vietnam geradezu atemberaubend dicht ist. Die gesamten 100 Millionen Einwohner Vietnams setzen beim Thema Mobilität (wegen der unfassbar hohen Steuern fast unbezahlbarer Autos) auf Motorroller. Und die fahren dann hoch beladen in 5er- und 6er-Reihen nebeneinander. Zebrastreifen werden ignoriert, Ampeln gelten allenfalls als unverbindlicher Vorschlag.
Hier als Fußgänger oder Radfahrer unterwegs zu sein erfordert Mut oder Gelassenheit- am besten beides.
Bei unserer Exkursion hat jeder ein Einzel-Padicab (so werden die Rikschas hier genannt) und sitzt vor dem Fahrer. Wir fragen uns kurz, ob wir als Knautschzone dienen, bekommen ein Audiogerät für die Verbindung zum Tourguide und schon geht die Fahrt los: Wir sind mitten im vietnamesischen Straßenverkehr.

Und der hat es in sich: Reisebusse, Lastwagen für die vielen Baustellen, Autos (unter anderem einige Bentley und Rolls Royce) und die schon erwähnten tausende Motorroller bewegen sich ohne Stau voran. Es funktioniert alles wunderbar, selbst die Fußgänger kommen sicher an ihr Ziel. Die Motorroller bremsen selten, fahren aber geschickt an jedem Hindernis vorbei. Von der Hupe wird reichlich Gebrauch gemacht – trotzdem kommt keine Hektik auf, alle sind tiefenentspannt. 
Wir erinnern uns an einen Spruch von Mao Tse Tung, wonach jeder Einzelne im Meer des Schwarms verschwindet. Hier ist das auch so: bei jeder Grünphase fahren vierzig bis achtzig Motorroller pro Fahrtrichtung über die Kreuzungen, biegen ab, fahren auch mal entgegen der Fahrtrichtung, aber es passiert nicht das Geringste. Nach 45 Minuten kommen wir um diese Erfahrung reicher und völlig relaxt wieder am Ausgangspunkt an.


Sehenswürdigkeiten gibt es in Nha Trang nicht zu sehen – dafür weite weiße Strände, die tagsüber nur von den Nichtasiaten genutzt werden. Denn in Asien gilt nicht die Sonnenbräune sondern die weiße Hautfarbe als vornehm.



Über der Stadt hängt ein ständiger Dunst. Die Umweltschützer hätten hier einiges zu tun. Der Smog löst sich den ganzen Tag nicht auf, denn der Verkehr verursacht hier mehr Feinstaub als wir uns je vorstellen können. In den Armen Gegenden der Stadt leben die Menschen in einfachen Hütten. Unser Tourguide erzählt, dass sie unter wirklich ärmlichen Verhältnissen ohne jede sanitären Einrichtungen leben – und den Seitenarm des Meeres als ihr Badezimmer nutzen. Damit war für uns auch klar, dass wir hier auf keinen Fall Badeurlaub machen würden.

Wir laufen am Meer entlang und genießen die Tatsache, einfach nur zu relaxen, die Seele baumeln zu lassen. Am Nachmittag nehmen wir noch ein Glas des örtlichen Bieres zu uns – diesmal heißt es Tigerbier! Es ist kalt und köstlich – und natürlich trinken wir es aus hygienischen Gründen aus der Flasche.


Vor der Anlegestelle unseres Tenderbootes laufen wir noch über den dort aufgebauten Markt mit den vietnamesischen Versionen von Luxusmarken (hier wird alles nachgemacht von Gucci über Dior bis hin zu Karl Lagerfeld) – man sieht Ihnen den Herstellungsort und die Inhaltsstoffe an. Trotzdem ist es interessant, das alles zu sehen.
Die Getränke-Shops laden auf der Straße mit der Auslage von Kaffeebohnen oder Kokosnüssen ein. Wir wollen aber jetzt zurück auf das Schiff.


Nach der Fahrt mit dem Tenderboot freuen wir uns auf die Dusche und sind schon sehr gespannt – denn unser nächstes Ziel ist Hongkong.
Der Dunst hat sich immer noch nicht gelegt – und am Abend werden die Masten der Seilbahn eines Vergnügungsparks beleuchtet- sie sehen aus wie der Eiffelturm. Eine bizarre Welt!


