Wir erreichen die Stadt im Morgengrauen und sind gespannt: wir haben einiges gehört, gelesen und möchten uns jetzt selbst ein Bild machen von einer Stadt, deren Eindrücke offensichtlich widersprüchlich sind, glaubt man den Berichten.

Die Metropole mit 155-jähriger Tradition unter britischer Herrschaft ist eine Stadt der Gegensätze. Denn alles chinesische ist britisch geprägt.

Die Stadt ist auf jeden Fall eine Herausforderung: großes Gedränge auf den Wegen, jede Menge Busse, Presslufthämmer und ewige Hektik – man braucht starke Nerven. Und die Gerüste an den Baustellen werden nach wie vor aus Bambus hergestellt.



1997 wurde Hongkong an die Chinesen zurückgegeben und ist inzwischen eine Stadt mit 7 Millionen Einwohnern. Nur 40 Prozent der Flächen um Hongkong können überhaupt genutzt werden. Als die Briten 1841 die Insel als Kriegsbeute besetzten sagten sie: hier gibt es nur kahle Felsen mit einem Haus darauf. Deshalb erweiterten sie das Territorium um die Halbinsel Kowloon und um das angrenzende Festland und weitere Inseln. Dies sind die noch heute so genannten ‚New Territories‘. Um alle Gebiete miteinander zu verbinden gibt es inzwischen 17 Tunnel.

Vom früheren Flair einer Fischerstadt ist nur wenig zu spüren. Der Hauptdaseinszweck von Hongkong war schon immer das Geschäftemachen. Und noch heute wächst die Stadt jährlich um einen Quadratkilometer- hauptsächlich in den New Territories, wo fast fünfzig Prozent der Einwohner leben.
Die Hochhaussiedlungen mögen uns nicht so sehr gefallen, aber es gibt dazu keine Alternative. Und die Kunst, sich auf kleinem Raum zu arrangieren müssen alle Hongkonger beherrschen. Der ICC Tower ist mit 490 Metern das größte Gebäude der Stadt. Und er beherbergt das höchste Hotel der Welt: das Ritz Carlton auf den Etagen 102 bis 118. Tolle Aussicht garantiert- auch vom Pool aus, der sich ebenfalls in der 118. Etage befindet.

Ein großes Terminal wird außerhalb der Stadt gebaut mit einer U-Bahn Verbindung, sodass man innerhalb von wenigen Minuten im Zentrum von Hongkong ankommt und noch mehr Kreuzfahrtschiffe anlegen können.

Wohnt man oberhalb der Stadt nutzt man, um zur Arbeit zu kommen, eine 800 Meter lange Rolltreppe. Morgens fährt sie in eine Richtung nach unten- ab 10.30 Uhr fährt sie in die andere Richtung nach oben.

Und man findet mitten in der Stadt immer wieder buddhistische Tempel, wie hier den Man-Mo-Tempel inmitten von Hochhäusern. Unser Guide erklärt: Hier gibt es zwei mächtige Schutzheilige, die für das Zivile (kantonesisch: man) und das Militärische (kantonesisch: mo) zuständig sind. Der mittlere Teil des Tempels ist eher für die Frauen: hier finden sie Trost bei der buddhistischen Barmherzigkeitsgöttin Guanyin. Der rechte Teil fungiert eher als Ahnentempel, wo man für 180.000 Hongkong Dollar einen Platz für die Asche eines Verstorbenen kaufen kann. Die Erlöse gehen an ein Spital.




Von hier aus laufen wir zu einem Streetmarket, bei dem die Einheimischen einkaufen. Vom Fleisch und Fisch bis hin zu Obst und Blumen findet man hier alles. Sehr witzig: die Blumen kommen größtenteils aus Holland wie uns der Guide stolz berichtet!



Im Sommer (August bis Ende September) ist Hurrikan-Season (hier Taifun genannt). Im letzten Jahr gab es den stärksten Taifun seit den Aufzeichnungen. Alle Hochhäuser blieben stehen, ein paar Scheiben sind zersprungen- mehr nicht. Was aber viel schlimmer war: 17.000 Bäume wurden vernichtet.
In Hongkong gibt es insgesamt 10 Universitäten. Alle Unis sind staatlich beziehungsweise kosten für die Studenten nicht sehr viel. 90 Prozent der Studiengebühren übernimmt der Staat und der örtliche Jockey-Club. Das klingt kurios, hat aber folgenden Hintergrund: öffentliches Glücksspiel ist verboten, und die Gewinne werden hoch besteuert. Deshalb ist der Jockey-Club mit seinen Pferdewetten so etwas wie ein gemeinnütziger Verein, der alle Gewinne an den Staat abführt und damit zu einer wichtigen Quelle für die Unterstützung von Bildung und Gesundheitswesen. Denn die Chinesen zocken nun mal gerne um viel Geld. Im Hafen liegt ein ‚Gamblingboot‘, das jeden Abend in Internationale Gewässer (ist nicht sehr weit). Hier können die Passagiere nach Herzenslust dem Glücksspiel nachgehen. Am Morgen legt das stets voll besetzte Schiff wieder in Hongkong an.
Wir fahren mit unserem Tourguide hoch zum ‚Peak‘, um eine etwaige Grössenvorstellung von Hongkong zu bekommen. Der Anblick übertrifft jede Erwartung.



Auch die einstündige Hafenrundfahrt zeigt uns die überwältigenden Dimensionen einer Stadt, die außerhalb jeder Vorstellungen liegt. Am Anleger steht noch ein Überbleibsel des alten Bahnhofs – der Uhrturm. Er wirkt ein wenig verloren zwischen all diesen modernen Hochhäusern.

Wir umfahren das große Kongress- und Messezentrum und lassen die Hochhäuser an uns vorbeigleiten.



Mittags sind wir ziemlich erschöpft und bekommen eine Stärkung im 12. Stock des Dragon King Restaurants im World Trade Center an der Causeway Bay. Typisch chinesisches Essen (und nicht das was wir in den Chinarestaurants üblicherweise bekommen) wird auf einer Drehscheibe serviert, sodass sich jeder etwas nehmen kann.




Frisch gestärkt fahren wir nun zum Stanley Market, einem kleinen Street-Market an einer schönen Bay. Die Stände sind sehr sauber, handeln kann man kaum, denn hier kaufen die Einheimischen ein. Deshalb sind die Preise auch gut.

Wir laufen an der Bay entlang und genießen die Ruhe nach all dem Großstadtlärm.

Während der Fahrt nach Aberdeen sehen wir an der Repulse Bay einige schöne Strände, die wir hier nicht erwartet haben. Aber auch hier ist niemand zu sehen, da die Chinesen sich nicht bräunen. Im Gegenteil- in den Geschäften findet man überall Bleichcremes, um der Haut die vornehme Blässe zu geben.

Es ist eine bessere Wohngegend, denn hier sehen wir auch eine Ferrari Vertretung.

Den Abschluss unserer Tour bildet eine Sampanrundfahrt in Aberdeen – gefahren von einer Frau. Aberdeen war früher eine Dschunkenstadt, heute ist davon fast nichts mehr zu sehen. Nur die arme Bevölkerung lebt auf Hausbooten, die eher wenig komfortabel aussehen.

Während wir uns umschauen und versuchen, den Gestank zu ignorieren, stößt unser Sampan mit einem anderen zusammen. Auch dieser wird von einer Frau gelenkt und es beginnt ein minutenlanges lautes Gezanke zwischen den beiden. Wir beten innerlich, dass wir nicht in dieses Gewässer fallen und sind froh, als es weitergeht.



Bevor wir am Abend auslaufen, können wir uns von der Queen Victoria aus die jeden Abend stattfindende Lasershow ansehen. Es ist sehr beeindruckend und manifestiert unseren Eindruck von Hongkong: überdimensional und sehenswert. Leben möchten wir hier aber nicht.




Mal sehen, was wir über unser nächstes Ziel Singapur in Erfahrung bringen – die sogenannte Gartenstadt Asiens.