Es gibt kaum eine Stadt, die so klischeebehaftet ist wie Singapur. Die Tropeninsel am Zipfel des südostasiatischen Festlandes ist 42 Kilometer lang und 23 Kilometer breit.

Die Stadt mit 5 Millionen Einwohnern hat viele Gesichter, eines davon ist ‚Shop around the clock‘ mit Malls, die jeden Tag von 10 bis 22 Uhr geöffnet sind. Doch das ist nur die eine Seite eines streng geführten Stadtstaates, der sich von einer früheren verlotterten Hafenstadt zum Zentrum Südostasiens und inzwischen zur Weltstadt hochgearbeitet hat.
16 Millionen Touristen kommen jedes Jahr – davon 330.000 Deutsche. Hier genießen sie den Service, der in Europa nicht mehr zu finden ist – freundlich und individuell!
Mit 74 Prozent Chinesen, 13 Prozent Malaien, 9 Prozent Indern ist Singapur eine echte asiatische Metropole. Buddhisten, Hindus, Moslems und Christen leben friedlich miteinander. Von jeder Religion wurden zwei Feiertage bestimmt, die für alle gelten. Hier feiern Hindus Weihnachten, Christen das Chinesische Neujahrsfest und Muslime das hinduistische Lichterfest Deepavali.







Die Geschichte ist so verrückt wie die Stadt
Die Geschichte Singapurs klingt wie ein Märchen und gleichzeitig unglaublich: Entdeckt wurde die Stadt von dem indischen Prinz Nila Utama im 13. Jahrhundert. Er benannte das damalige Küstendorf nach dem Löwen, der ihm erschienen war. Die Übersetzung von Löwe in Sanskrit ist Singa, Pura bedeutet Stadt – also Löwenstadt.
Noch heute steht der Merlion am Hafen – eine Skulptur halb Löwe halb Fisch und speit Wasser in die Marina Bay. Der Merlion war bei unserem Besuch leider ‚under construction‘ – aber es gab direkt neben der Statue einen kleinen Nachbau für die Touristen.

1817 landete der Brite Sir Thomas Stamford Raffles dort und erkannte sofort die strategische Lage an der Malakka-Seestrasse. Er kaufte die Insel für die East India Company. Und er war für den Erfolg von Singapur verantwortlich: er ließ den malariaverseuchten Dschungel von indischen Sträflingen roden, baute Straßen und Kanäle. Chinesische Kulis schleppten Elfenbein, Gewürze, Tee, Seide, Edelhölzer, Opium und Zinn und vieles mehr von den Schiffen zu den Lagerhäusern. 1911 lebten hier schon 250.000 Menschen – insgesamt 48 Ethnien.
Singapur hat eine Raffles Area, in der auch das Raffles-Hotel steht. Ein prachtvoller Kolonialisierung, der 1887 von drei armenischen Brüdern nach Sir Raffles benannt und zum ersten Haus am Platze gemacht wurde. Es war leider im Umbau als wir die Stadt besucht haben.


Und Raffles Hotel hat Singapur noch etwas hinterlassen: den Singapur Sling! Das ist ein fruchtig-aromatischer Cocktail aus Gin (erinnert euch, die Briten trinken gerne Gin), Kirschlikör, Benedictine und weiteren Zutaten. Bartender Ngiam Tong erfand den Sling im Jahr 1915 im Raffles Hotel. Damals war es den Frauen verboten, in der Öffentlichkeit Alkohol zu trinken. Also erfand er ein Getränk, das wie Fruchtsaft aussah mit einem Stück Ananas am Gläserrand!
Wir haben Singapur Sling getrunken- und ich kann euch sagen, der hat es in sich!

Die Briten hielten Singapur von der Seeseite her als uneinnehmbar für jeden Angreifer. Die Japaner jedoch, die im Zweiten Weltkrieg versuchten Asien unter ihre Kontrolle zu bringen, eroberten Singapur am 15. Februar 1942. Und wie? Sie benutzten Fahrräder, indem sie einfach von der malaiischen Halbinsel hinunter radelten. Nach 3 Jahren großer brutaler Herrschaft kamen die Briten zurück und Singapur wurde Kronkolonie. 1962 wurde Singapur unabhängig.
Immer wieder sieht man zwischen den Hochhäusern die alten Gebäude – sehr schön integriert und aufwändig renoviert.

Fine City – die schöne Stadt der Strafen
Die Partei des autokratischen Staatsgründers Lee Kuan Yew sorgt für eine stabile Ordnung. Davon profitieren alle Touristen- man kann unbesorgt bis spät abends auf die Straße gehen, ohne dass etwas passiert. Die Stadt ist sauber und sucht seinesgleichen, es gibt keinerlei Staus in der Stadt und uralte Autos sieht man hier nicht!

Und wie funktioniert das? Die PAP (People’s Action Party) des oben genannten Gründers ist solange ‚behütend‘ tätig, wie niemand den Konsens infrage stellt. Was heißt das? Es gibt eine Reihe von Verboten, die bei näherer Betrachtung als ganz sinnvoll anzusehen sind, wenn man die unterschiedlichen Ethnien zu einer gemeinsamen Lebensweise bringen möchte. So kostet das in China übliche Ausspucken auf den Boden 1000 Singapur Dollar (ca. 650 Euro), Rauchen in der Öffentlichkeit ebenfalls 1000 Singapur Dollar. Essen und Trinken in der Bahn 500 Singapur Dollar, Tauben füttern 1500 Singapur Dollar, Kaugummi irgendwohin kleben 1.500 Singapur Dollar, um nur einige Beispiele zu nennen.
Unsere Reisebekannten Beatrix und Achim trafen sich in Singapur mit einem früheren Arbeitskollegen. Beatrix hatte sich ein Brötchen gekauft und fütterte gedankenlos mit dem Rest die Vögel. Der ehemalige Kollege hat fast einen Herzinfarkt bekommen!! Aber erst als er es schwarz auf weiß zeigen konnte, haben beide ihm geglaubt. Sie konnten von Glück sagen, dass sie nicht erwischt wurden.
Man kann sich wahrhaft darüber streiten, ob das sinnvoll ist. Offensichtlich aber funktioniert es nur so, um eine saubere und gepflegte Stadt für alle Einwohner durchzusetzen. Bei unserer Einreise haben wir ebenfalls entsprechende Verhaltensregeln von Cunard bekommen.
Green City- saubere Luft für alle
Der Unterschied zu Hongkong war schon frappierend, nicht nur was die Sauberkeit anbelangt! Die Luft in Singapur war gefühlt sauber, keinerlei Smog beziehungsweise Dunst.

Die Straßen laufen wie grüne Adern durch die Stadt. Dazwischen findet man immer wieder Parks und Bäume – wunderbar! Singapur will sich von einer ‚Gartenstadt‘ zu einer ‚Stadt im Garten‘ entwickeln. In den letzten 25 Jahren ist der Anteil der Grünflächen von einem Drittel auf die Hälfte der Stadt angewachsen. Und bis Ende 2030 sollen 80 Prozent aller Gebäude in der Stadt grün sein. Das heißt, es werden immer mehr Hochhäuser vertikal und horizontal bepflanzt. Und wir haben viele einfache Beispiele gesehen, die man einfach und wirkungsvoll in unseren feinstaubgeplagten Städten umsetzen könnte.




Gleichzeitig gibt es eine strenge Reglementierung für Autos. Zum einen sind die Anschaffungskosten dreimal so hoch wie in Deutschland. Aber viel wichtiger, es werden nur so viele Autos pro Monat neu zugelassen wie abgemeldet worden sind. Das ist auch die Begründung, warum hier keine alten Autos fahren. Davon abgesehen findet man hier mit Ferrari, Lamborghini, BMW und Mercedes viele teure Marken, an denen man den Reichtum der Bewohner ablesen kann.
Singapur als Zentrum Asiens
Hier sollen Manager ausländischer Konzerne ihren Sitz haben, der Bereich Forschung und Entwicklung einen Spitzenplatz erreichen und erstklassige Universitäten die Region formen. Ein Beispiel hierfür ist die Singapur Management University (SMU). Die SMU zählt kontinuierlich zu den weltweit besten Universitäten für Wirtschaftswissenschaften und ist erstmals in den Top 50 des Financial Times MBA-Rankings 2018 als höchster Neueinsteiger vertreten.



Mit anderen Worten: Singapur soll sich zum Zentrum Asiens entwickeln.
Deshalb sind wegweisende Zitate berühmter Persönlichkeiten auch gleich als Mosaik in den Boden eingelassen.

Das klingt nach Öffnung, ist aber nicht mit den gleichen Freiheiten verbunden wie in Europa.
Hier sind Gewerkschaften zu Regierungsinstrumenten umfunktioniert worden. Medien werden streng zensiert und es gibt keine Versammlungsfreiheit. Unterhält man sich mit den Einwohnern sind trotzdem alle zufrieden mit ihrer Regierung.
Ein wichtiger Bereich ist das Gesundheitswesen. Aufgrund des hervorragenden Gesundheitssystems boomt der Tourismus in diesem Bereich – viele Besucher aus anderen Ländern lassen sich hier behandeln.
Marina Bay Sands – ein bisschen dekadent aber schön
Wenn man Singapur besucht, muss man einmal auf dem Dach des Marina Bay Sands Hotels gewesen sein (bei einem eintägigen Aufenthalt eine Herausforderung). Das Gebäude ist an vielen Plätzen der Stadt zu sehen – seine eigenartige Architektur und seine Dominanz überstrahlen die ganze Stadt.

Unter der Erde des Gebäudes (kommen nur Hotelgäste hin) schippern indonesische Gondolieri die Gäste auf einem Kanal entlang, der an einem überdimensionalen Wassertrichter endet. Bei Tropenregen strömt es hier nur so herein, was einen Geldregen symbolisieren soll.
Wir fuhren mit dem Aufzug in den 58. Stock, um in der Bar am Nachmittag einen Drink zu nehmen. Das geht auch nicht anders, da man ansonsten nur zum Observation Deck auf den 57. Stock darf und den 146 Meter langen Infinitypool nicht sehen kann. Der Eintrittspreis von 23 Singapur Dollar pro Person beinhaltet ein Getränk. Wir waren erst einmal überwältigt von dem Ausblick und der etwas dekadenten Art, auf der 58. Etage zu schwimmen. Nachdem wir uns etwas erholt hatten, gaben wir unsere Voucher für das Getränk und wollten schon großzügig sagen: „Der Rest ist für Sie.“ Da teilte uns die Bedienung ganz trocken mit, dass wir noch 4 Singapur Dollar pro Person bezahlen müssen. Der atemberaubende Blick ist es auf jeden Fall Wert!





Wir fuhren mit dem Taxi kurz vor 19 Uhr zurück (19 Uhr war ‚Alle Mann an Bord‘) – ein netter Taxifahrer unterhielt uns bis zum Schiff. Müde und noch ganz beeindruckt von dem erlebnisreichen Tag standen wir mit den anderen Reisenden an der Reling und sahen aus der Entfernung die Lichtspiele im Gardens By The Bay und die beleuchtete Silhouette von Singapur. Sie ist nicht so beeindruckend wie die von Hongkong. Aber wir waren uns alle einig – Singapur ist sehenswert für mindestens 2 Tage.



Das Schiff legte ab und mit großem Bedauern stachen wir in See Richtung Kuala Lumpur.