Kuala Lumpur – Zwei Türme und zwei matschige Flüsse

Nachdem wir Singapur verlassen haben, geht es etwa 200 Seemeilen weit in Richtung Nordwesten. Dort erreichen wir am frühen Morgen Port Kelang in Malaysia. Noch nie davon gehört? Wir auch nicht, denn ursprünglich war die schöne Stadt Malakka unser Ziel. Dort muss jedoch getendert werden, und das hat in den letzten Jahren wohl nicht besonders geklappt. Die Passagiere hatten lange Wartezeiten von bis zu drei Stunden bei 40 Grad Celsius.

In Port Kelang liegen wir schon am Pier und werden bei unserer Exkursion die Hauptstadt Malaysias, Kuala Lumpur, besuchen.

Unser Tourguide Jade ist in Malakka geboren und gehört zur Generation der ersten ‚echten Einwohner‘. Ihre Eltern stammen aus China und Singapur. Der Vater kam mit einem sogenannten ‚Blutsbruder‘ nach Malakka und baute sich seine Existenz auf. Malaysia lebt zwar hauptsächlich vom Handel und Tourismus, ein wichtiger Faktor ist aber auch die Herstellung von Computer Chips. Man sagt Penang ist das Silicon Valley von Malaysia!

Während der gut einstündigen Fahrt sehen wir sattgrüne tropische Landschaften. Draußen ist es brüllend heiß bei ungefähr 40 Grad Celsius- im Bus sorgt die Aircondition für gefühlte Kühlschrank-Temperaturen. Als erfahrener Weltreisender hat man immer eine leichte Jacke und ein Halstuch mit – das hilft auch hier!

Malaysia war seit 1896 britisches Protektorat, wurde 1942 – 1945 von Japan okkupiert und nach Kriegsende wieder den Briten übergeben. 1957 wurde das Land unabhängig, zunächst noch einschließlich Singapur. 1965 erklärte sich Singapur dann von Malaysia unabhängig.

Malaien bilden die Mehrheit in diesem Vielvölkerstaat, der weitgehend muslimisch geprägt ist. Interessant ist die Staatsform: eine konstitutionelle Monarchie, in der alle 5 Jahre ein König gewählt wird – uns zwar von den 9 Sultanen der einzelnen Bundesstaaten. Diese Bundesstaaten sind sogenannte Erbmonarchien, wie wir sie aus den Niederlanden oder Großbritannien kennen. Das Wappen symbolisiert die 9 Sultane.

Der letzte König hat seine fünfjährige Amtszeit übrigens nicht komplett ausgefüllt. Er – nicht verheiratet und noch keine fünfzig Jahre alt – verschwand plötzlich für mehrere Monate aus dem Land. Als er zurückkehrte hatte er eine Ehefrau an seiner Seite! Sie war jedoch gesellschaftlich nicht akzeptiert, da sie eine ehemalige russische Schönheitskönigin war, die der König in Russland kennengelernt und auch dort geheiratet hatte. Sie war zum Islam übergetreten- es half aber nichts, der König musste zurücktreten!

Der Königspalast am Stadtrand von Kuala Lumpur ist dann auch unser erstes Ziel: natürlich nur von außen, wir werden nicht zum Tee gebeten! Es ist alles sehr gepflegt, und wir sehen viele muslimische Besucher. Die Wachsoldaten tragen malerische Uniformen und sind teilweise hoch zu Ross! Hier fragt kein Tierschützer nach den Pferden, die erst nach einer Stunde in der Gluthitze (zwar überdacht) abgelöst werden.

Anschließend geht es zu den Kuala Lumpur Lake Gardens. Um 1880 haben die Briten den schönen Park rund um einen künstlichen See angelegt. Viele verschiedene Hibiskus-Pflanzen (Hibiskus ist die nationale Pflanze), dazu Orchideen-Gärten, ein Schmetterlings-Park, ein Vogel-Park und vieles mehr. Alles ist sehr schön und schattig angelegt, in der Mitte ein eindrucksvolles Denkmal. Es ist das National-Monument für die in den Kriegen Gefallenen mit einem schönen Blick auf das Parlamentsgebäude.

Kuala Lumpur hat rund 1,6 Millionen Einwohner. Der Name der Stadt bedeutet in malaiischer Sprache soviel wie ‚Zusammenfluss zweier matschiger Flüsse‘. Besonders reizvoll ist die Gegend tatsächlich nicht, die Sehenswürdigkeiten der Stadt sind schnell angeschaut.

Im Zentrum steht auf einem Platz direkt neben einem alten Kricketstadium der früher weltweit höchste Flaggenmast mit 122 Metern – leider ohne Flagge als wir da waren! Er wurde inzwischen von einem höheren in Nordkorea überholt!

Einige ältere Gebäude zeigen architektonisch noch britischen Einfluss. In direkter Nachbarschaft sehen wir relativ neue und sehr große Moscheen.

Dowtown tut sich eine andere Welt auf: eine ganze Reihe von Wolkenkratzern – unter anderem die Petronas Twin-Towers. Diese zwei nebeneinander stehenden Hochhäuser sind zwischen der 50. und 55. Etage miteinander verbunden. Sie waren bis 2006 die höchsten Gebäude der Welt, bis sie vom Burj al Arab abgelöst wurden.

Am späten Nachmittag wieder zurück am Hafen konnten wir im Gebäude am Pier noch einige Souvenirs erwerben und vor allen Dingen Free Wifi nutzen. Im Duty Free Shop sahen wir wäre wir erstaunt über die große Anzahl indischer Whiskys. Sie zeigt ganz deutlich (was wir schon wussten), dass nicht etwa Schottland oder die USA, sondern Indien das Land mit der weltweit größten Whisky-Produktion ist.

Von unserem anderen Reisegruppen erfuhren wir, dass sie in Kuala Lumpur von sintflutartigen tropischen Regenfällen betroffen waren. Wir haben bei unserer Rückfahrt zwar dicke Regenwolken gesehen, sind aber ein paar Minuten früher losgefahren und habe nichts abbekommen.

Allerdings haben uns die auf inzwischen 42 Grad Celsius angestiegenen Temperaturen mit über 90 Prozent Luftfeuchtigkeit schon ganz schön zu schaffen gemacht – eine kühle Dusche hat Abhilfe geschaffen! Am Abend legt unser Schiff Richtung Colombo ab.

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