Colombo, die Hauptstadt von Sri Lanka mit 1,6 Millionen Einwohnern ist unser nächster Hafen. Schon beim Einlaufen wird klar, dass ein weiterer schwül-heißer Tag vor uns liegt. Die 30 Grad Marke ist bereits um 8 Uhr morgens überschritten. Deshalb müssen wir für den Besuch der Stadt ausreichend Wasser mitnehmen. Zunächst aber eine Enttäuschung- wir legen nicht etwa unweit des Forts an, das im mittelalterlich portugiesisch und niederländisch geprägten Zentrum der Stadt liegt.

Nein, wir liegen in einem Container-Hafen. Und dieser Hafen hat es in sich: jede Menge Verkehr, viele ein- und auslaufende Schiffe, Schüttgut-Kräne und Container-Transporter! Es ist schon erstaunlich aber nicht verwunderlich, dass unser Tourguide Lal später stolz erklärt, der Hafen von Colombo gehöre zu den Top 5 in Südostasien.

Unser Ausflug in die Stadt startet erst gegen Mittag. So haben wir vorher noch Zeit, uns die Verkaufsstände vor der Queen Victoria anzuschauen: schöne Seidenstoffe, Seidenschals und Saris und eine erstaunliche Anzahl von Juwelieren mit Saphirschmuck. Denn Sri Lanka ist bekannt für Edelsteine, insbesondere Saphire. Die angebotenen Schmuckstücke sind sehr modern und geschmackvoll designt und – nach einigem Handeln – für angemessene Preise zu erwerben. ‚Unser‘ Händler sprach übrigens recht gut deutsch und betonte, seine Saphir-Kollektion sei ‚kornblumenblau‘!
Also: Souvenirs und Mitbringsel sind verstaut, Wasserflaschen im Rucksack – es kann losgehen! Die Tour beginnt damit, dass wir uns durch einen völlig chaotischen Verkehr quälen und für den ersten Kilometer eine gute Viertelstunde benötigen.

Tourguide Lal macht aus der Not eine Tugend und ermöglicht uns den Besuch einer katholischen Kirche, der Bischofskirche der Hauptstadt. Dort ist es angenehm kühl und vor allen Dingen ruhig. Draußen tobt der Verkehr mit vielen Tuck-Tucks, die als Taxen fungieren. Die Kirche selbst ist innen eher bescheiden und zeigt nichts von der üblichen Opulenz katholischer Kirchen.




Direkt daneben befinden sich zwei katholische Schulen – schön getrennt für Jungen und Mädchen. Sie alle tragen Schuluniformen – wie in den bisherigen Zielorten. Die Schülerinnen und Schüler haben gerade frei, besteigen die Schulbusse für den Nachhauseweg und winken uns freudig zu.

Das Christentum ist mit den Europäern nach Sri Lanka gekommen: mit den Niederländern, den Portugiesen und den Briten. Noch heute gibt es in Colombo Stadtviertel mit dem Namen ‚Bloementhal‘ oder ‚Hulftsdorp‘, die an die Niederländer erinnern. Das Fort zeigt heute noch die portugiesische Festungsarchitektur. Die Briten haben die unverwechselbaren Kolonialbauten mitgebracht, bis hin zum unvermeidlichen Uhrenturm, möglichst mit Big Ben Schlag.


Die Vielfalt des Landes zeigt sich übrigens auch in der Landesflagge: der goldene Löwe auf bordeauxrotem Grund symbolisiert die Bevölkerungsmehrheit der Singhalesen, die etwa 70 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Sie sind buddhistischen Glaubens, im Gegensatz zu den hinduistischen Tamilen. Diese mit einem Anteil von etwa 15 Prozent wohnen im Norden des Landes. Für die Tamilen steht der orange Streifen in der Flagge, der grüne Streifen für die etwa 8 Prozent muslimischen Einwohner.

In Colombo finden wir überraschenderweise viele christliche – in der Regel katholische – Kirchen. Daneben gibt es bunte Hindu-Tempel, viele buddhistische Tempel und Klöster und einige Moscheen.


Und von vielen Stellen in der Stadt kann man den neuen Stolz des Landes bewundern: der neue Fernsehturm ist das 7höchste Gebäude in Asien. Im Mai soll es offiziell eingeweiht werden. Seine Besonderheit: die Form stellt eine Lotosblume dar. Der Schaft ist grün gestrichen, die Aussichtsetagen sind in dunkelrot gehalten. Und wirklich, es sieht einer Lotosblume schon sehr ähnlich. Unser Tourguide Lal ist sehr stolz darauf!



Der nächste Stopp im Verkehrschaos ist ein Buddhatempel, dessen Inneres wie immer nicht mit Schuhen betreten werden darf. Große und sehr bunte Buddha-Statuen innen, draußen ein schöner ruhiger Park.






Dann weiter durch die Stadt, vorbei an Regierungsgebäuden, eine neue Konferenzhalle – gebaut mit freundlicher Unterstützung der Volksrepublik China, vorbei an der Residenz des Staatspräsidenten und dem imposanten Rathaus der Stadt.







Die Verkehrssprachen in Sri Lanka sind Singhalesisch, Tamilisch und Englisch. Weil jede der drei Sprachen ein anderes Alphabet benutzt, fällt die Beschilderung der Straßen recht aufwändig aus.

Ziel ist der Unabhängigkeitsplatz, auf dem sich ein großer offener Bau mit Säulenreihen und einem hohen Dach befindet. Der Schatten ist bei dieser Hitze sehr angenehm.




Direkt daneben ein großer Sportplatz, auf dem in einigen Wochen die dreizehnten asiatischen Meisterschaften im Tauziehen stattfinden werden. Überhaupt gibt es viele Sportanlagen in der Stadt, vor allem für den Volkssport Kricket, aber auch für Badminton oder Tennis.

Bei solchen ‚offiziellen‘ Ausflügen ist fast immer auch der Besuch eines Museums zur nationalen Geschichte vorgesehen, so auch hier. Eigentlich ist es für uns nicht sonderlich interessant, sich alte behauene Steine oder Statuen ohne weitere Erläuterung anzuschauen.




Hier in Colombo sind ganz eindeutig die anderen Besucher der Höhepunkt: Gleichzeitig mit uns besuchen einige Schulklassen das Museum. Und die Mädchen in ihren Schuluniformen begrüßen uns herzlich, winken, kichern oder lachen. Auch sie interessieren sich nicht sonderlich für die Exponate, sondern mehr für uns. Auch für die in Landestracht gekleideten Lehrer scheint das ein eher lästiges Pflichtprogramm zu sein. Es gibt keinerlei Erklärungen und alle Schüler laufen im Galopp durch die Räume. Dann streben sie zu ihrem Bus zurück, denn da gibt es etwas zu trinken.


Durch den noblen Stadtteil ‚Cinnamon Gardens‘ – also Zimtgärten – geht es dann wieder zurück Richtung Hafen zur Queen Victoria. Bemerkenswert ist der Kontrast zwischen hochmodernen Häusern und direkt daneben stehenden alten Gebäuden, die scheinbar nur noch durch die Stromleitungen zusammengehalten werden. In den Einkaufsstraßen herrscht reger Betrieb, Colombo bereitet sich auf das Wochenende vor.





Am Strand sehen wir noch die Einheimischen mit ihren Drachen.

Wir machen uns am Abend auf den Weg nach Port Victoria, der Hauptstadt der Seychellen. Colombo war unser letzter Hafen in Asien.