La Réunion- sind wir im Indischen Ozean oder in Südfrankreich?

Von Mauritius bis La Réunion ist es nicht weit – die beiden Inseln liegen gerade einmal 200 km voneinander entfernt im Osten von Madagaskar. Auch die Sprache ist im wesentlichen gleich: In Mauritius wird kreolisch gesprochen, was weitgehend die französische Sprache mit indischen, arabischen, englischen und anderen Dialekten ergänzt. In Réunion aber spricht man reines Französisch. Vom Gefühl her meint man, plötzlich in Europa zu sein. Die Straßen vom Hafen Le Port zur Autobahn sind breit, modern und gut ausgebaut. Die Autobahn selbst teilweise sogar dreispurig ausgebaut, an jeder Auf- und Abfahrt mehrere Kreisverkehre – es ist wie in Südfrankreich. Man erwartet auf dem nächsten Straßenschild den Hinweis auf die Entfernung nach Nizza.

Die Insel Réunion mit ihren 850.000 Einwohnern hat sich mehrfach gegen die Selbständigkeit der Insel oder einen vergleichbaren Status ausgesprochen und gehört jetzt als sogenanntes Übersee-Department zu Frankreich. Die Einwohner sind stolz auf diesen Status, tragen T-Shirts mit dem Aufdruck ‚974‘ für die Nummer des Departments und berichten, dass sie als Erste den Euro einsetzen durften – durch die Zeitverschiebung nämlich vier Stunden vor Mitternacht in Europa.

Réunion wurde von Arabern und Malaien etwa im 10. Jahrhundert entdeckt. Die Insel war damals unbewohnt und blieb es bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts. Die ersten Europäer auf der Insel waren portugiesische Seefahrer auf dem Weg nach Indien. 1642 schließlich nahmen die Franzosen die Inseln in Besitz und besiedelten sie. Nach dem Sieg der Engländer über Napoleon 1810 wurde die Insel für einige Jahre britisch, dann aber schon 1814 wieder an Frankreich zurückgegeben.

Wir besuchen heute mehrere Orte an der Westküste der Insel, die landschaftlich und klimatisch besonders angenehm sind. Die Insel ist vulkanischen Ursprungs, der höchste Gipfel der Insel, der Piton des Neiges (übersetzt: die Schmeespitze) hat stolze 3.071 Meter! Der Meeresboden um die Insel herum liegt bei etwa 4.000 Metern, so dass wir auf Réunion nur die Spitzen eines gigantischen Gebirgszuges sehen. Der Piton de la Fournaise im Südosten der Insel, ebenfalls über 2.600 Meter hoch, ist noch aktiv und bricht fast jährlich aus. Die Lava fließt durch das menschenleere Gebiet bis ins Meer. Beide Berge sind voneinander durch ein tiefes Tal getrennt, das auch die Insel in zwei Regionen teilt: den gut bevölkerten Norden und Westen und den kaum bewohnten Osten und Süden.

Wir fahren jedoch heute nicht ins Gebirge, sondern bleiben an der Küste. Erstes Ziel ist der Ort St. Leu, an der Westküste gelegen. Die etwa 10.000 Einwohner leben (natürlich) vom Tourismus. Aber auch von Landwirtschaft und Fischerei werden betrieben, auch die Gewinnung von Meersalz ist ein Erwerbszweig.

Wir kommen rechtzeitig zum Markttag, der Ort ist voll von Einheimischen, die unter anderem Obst, Gemüse oder Fisch kaufen. Dazwischen auch einige Stände mit schönen kunsthandwerklichen Dingen, bunten Tüchern und vielfältigen Gewürzen. Diese werden auf der Insel angebaut vor allem Zimt, Vanille oder Muskatnuss.

Die kleine katholische Pfarrkirche im Ort ist heute gut besucht: Bald ist Erstkommunion und alle Kommunionkinder gehen geschlossen zur Beichte. Allerdings gibt es keine Beichtstühle, der Pfarrer sitzt bequem in einer Ecke und hört sich die ‚Kindersünden‘ an. Die anderen Jungen und Mädchen warten in gebührendem Abstand.

Die Weihwasser-Becken am Haupteingang sind wunderschöne große Muscheln.

Oberhalb der Kirche ist eine kleine Wallfahrtskapelle, alte Frauen verkaufen Blumen- wir könnten in Lourdes sein!

Das Meer ist recht bewegt, die Wellen regelmäßig und hoch, ein guter Platz für Surfer!

Am Rathaus ein Denkmal für die Sklaven, die mit einem Aufstand 1815 das Ende der Sklaverei auf der Insel eingeläutet haben. Einige schöne und gut erhaltene Gebäude stehen neben geschmackvollen Neubauten.

Schöne Souvenirs sind auf dem Künstlermarkt zu finden. Wir entscheiden uns für Schmuck aus Lavagestein, auch schöne handgefertigte Tücher und Kleidungsstücke oder bunte Bilder sind im Angebot.

Direkt neben dem Ort St. Leu liegt Kelonia mit der Schildkrötenstation. Das moderne und gepflegte Gebäude zeigt die an den Stränden der Insel lebenden Wasserschildkröten, die schon fast ausgestorben waren. Denn ihr Fleisch war eine Delikatesse für Restaurants und Einheimische, die Panzer wurden für Schmuck, Brillengestelle, Kämme oder als Griffe für Besteck genutzt. Mittlerweile stehen sie unter Artenschutz, werden in Kelonia auch aufgezogen und später wieder ausgewildert.

Einige der Becken kann man auch von unten durch dicke Glasscheiben betrachten und sich die Schildkröten aber auch einheimische Fische anschauen. Der Aussichtsturm auf dem Gelände beschert uns einen tollen Blick übler die Küste und die Para-Glider, die normalerweise vom Berg hinter uns bis zum Strand fliegen. Momentan sieht es aber nach Regen aus (alle Einheimischen hoffen darauf), deshalb wurde das Paragliding erst einmal eingestellt.

In einem Schaubild sahen wir, wieviel Plastikmüll in einer Schildkröte gefunden wird – schrecklich!!

Einige Kilometer nördlich finden wir St. Gilles les Bains, ein Ort mit den angeblich schönsten Stränden der Insel. Wir spazieren durch die Stadt, essen ein hervorragendes Eis und freuen uns über die mediterrane Atmosphäre (wahrscheinlich doch ein wenig Heimweh).

Leider verlässt unsere Queen Victoria relativ früh den Hafen, sodass wir um fünf Uhr nachmittags wieder an Bord sein müssen. Im Hafen machen wir noch mit vielen anderen Passagieren schnell vom Free Wifi Gebrauch, denn das Internet an Bord funktioniert nach wie vor kaum, ist wahnsinnig langsam und mit 48 Dollar für zwei Stunden sehr teuer.

Unser Resümee für Réunion: Hier könnte man sich einige Urlaubswochen gut vorstellen, zumal der Euro als Währung keine Umrechnungs-Aktionen erfordert – allerdings ist das Preisniveau auch europäisch. Macht aber nichts, es war ein schöner Besuch auf einer tollen Insel!

Jetzt sind wir auf dem Weg nach Südafrika. Erstes Ziel ist Port Elizabeth – ob wir wohl die Big Five sehen?

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