Port Elizabeth – oder kurz PE, wie die Südafrikaner sagen – ist unser erster Hafen in Südafrika. Die Gäste auf der Queen Victoria sind am Abend vorher schon ganz aufgeregt. Der Grund ist jedoch nicht die Stadt selbst, sondern die Safari-Ausflüge, die viele von hier aus machen.
Die Stadt ist die sechstgrösste in Afrika, hat 1,4 Millionen Einwohner, die meist dem Volk der Xhosa angehören. Sie gilt als wichtige Hafenstadt und industrielles Zentrum. Insbesondere die Automobilindustrie hat sich rund um die Stadt angesiedelt. Unmittelbar neben unserem Liegeplatz im Hafen stehen hunderte fabrikneue in Südafrikas modernem VW-Werk gebaute VW Polo zum Abtransport bereit. Die Fahrzeuge werden von Südafrika aus meist in andere Länder der südlichen Hemisphäre gebracht, vorzugsweise nach Australien und Neuseeland. Aber der Autobranche geht es zur Zeit nicht besonders gut, und das kann man der Stadt ansehen! Man hat den Eindruck, sie hat schon einmal bessere Tage gesehen.
Die Algoa-Bay, an der auch Port Elizabeth liegt, war um 1820 das erste Zentrum für aus England kommende Siedler in Südafrika. Daher ist hier kein anderer europäischer Einfluss auf die Architektur und das Aussehen der Stadt zu erkennen. Statt dessen gibt es die weltweit immer gleichen britischen Kolonialbauten, bis hin zum Uhrturm auf dem ehemaligen Rathaus, der ein wenig an Big Ben erinnert.

Der erste britische Gouverneur, Sir Rufane Donking, benannte den kleinen Ort, an dem sich sein Verwaltungsgebäude befand, nach seiner auf einer früheren beruflichen Station in Indien verstorbenen Frau Elizabeth. Er ließ ihr zu Ehren eine kleine Pyramide mit einer Gedenk-Inschrift errichten. Die Stadt selbst bietet nicht viel: Am Hafen befindet sich ein Turm aus dem späten 19. Jahrhundert, der sogenannte ‚Campanile‘, dann muss man sich durch ein Gewirr von Straßen und Kreuzungen kämpfen. Man erreicht dann eine Treppenanlage, die zum Marktplatz hochführt. Dort liegt das alte Rathaus, die frühere Stadtbibliothek, eine Reihe anderer kolonialer Gebäude und die unvermeidliche Statue von Königin Victoria. Wir hätten nachzählen sollen, wie viele wir seit Bermuda gesehen haben.

In den Einkaufsstraßen der Stadt sieht man fast ausschließlich Menschen mit schwarzer Hautfarbe. Es sieht alles nicht sonderlich modern, sauber oder ordentlich aus. Auch die Geschäfte wecken keine Lust auf einen Einkaufsbummel. Deshalb lassen sich die Passagiere, die keine Safari gebucht haben, vom Cunard Shuttlebus ins nahegelegene klimatisierte Einkaufszentrum fahren oder bleiben an Bord.
Tja, jetzt sind wir in Südafrika und jeder sagt, man muss die „Big Five“ gesehen haben. Doch was versteht man darunter? „The Big Five“ ist ein Synonym für folgende Tiere: Löwen, Leoparden, Elefanten, Nashörner und Büffel.
Dabei handelt es sich um eine alte Jagdbezeichnung, die von Großwildjägern verwendet wurden und nicht wegen der Größe der Tiere, sondern wegen der schwierigen und gefährlichen Jagd auf diese Tiere entstanden ist.
Auf jeden Fall habe ich einen Ausflug gebucht, der in ein Reservat führt, das Pumba Game Reserve. Reservate sind zu einer wichtigen Erwerbsquelle in Südafrika geworden. Dabei geht es nicht nur um die Einnahmen, sondern auch um die Schaffung von Arbeitsplätzen und damit um die Senkung der hohen Arbeitslosigkeit von 35 Prozent.
Wir fahren vom Hafen Port Elizabeth eine gute Stunde ins Landesinnere, um das Reservat zu erreichen. Bis vor ein paar Wochen herrschte hier Wasserknappheit, und auch jetzt sind die Dämme mit nur 7,5 Prozent Wasser noch relativ leer. Auf unserer Strecke sehen wir am Straßenrand viele Eukalyptusbäume. Wir erfahren von unserem Tourguide, dass diese Bäume nicht beliebt sind und teilweise gefällt werden, da sie sehr tief wurzeln und das Grundwasser aufsaugen. Sie wurden ursprünglich von den Australiern mitgebracht, gehören also nicht zur natürlichen Umwelt in Südafrika.

Wir erreichen das Reservat und steigen auf unsere Jeeps um. Alle haben sich an die Anweisungen gehalten und tragen khakifarbene Kleidung. Denn zum Beispiel weiße T-Shirts ziehen die Fliegen und anderes Ungeziefer an.
Kaum sind wir losgefahren, sehen wir die ersten Giraffen direkt vor uns. Giraffen erreichen eine Spitzengeschwindigkeit von 55 km/h. Für Ihre langen Beine brauchen die Giraffe festen trockenen Untergrund.




Sie verständigen sich im für Menschen nicht hörbaren Frequenzbereich von unter 20 Hertz. Und Sie sind schnell – sie können bis zu 55 Stundenkilometer Geschwindigkeit erreichen. Sie fressen jeden Tag bis zu 30 Kilogramm Blätter, Äste und Zweige. Giraffen schlafen mehrmals innerhalb eines 24-Stunden-Tages, dabei liegen sie auf dem Boden mit dem Kopf nach hinten auf dem Körper. Der Schlaf dauert in der Regel nur kurze Zeit, weniger als 11 Minuten.
Das Geschlecht von Giraffen lässt sich leicht feststellen. Unser Tourguide Emily erklärt, dass wir nur auf die Hörner schauen sollen. Beim Bullen sind sie größer und oft blank gescheuert, die weiblichen Giraffen haben stattdessen zierliche Puschel. Das Besondere an den Giraffen: es wächst nicht nur der Hals, sondern auch der Schwanz ein Leben lang. So kann man ganz leicht das Alter feststellen.
Werden sie angegriffen, verteidigen sie sich mit ihren Hufen- jeder Tritt kann sofort tödlich sein. Sogar Löwen haben Respekt und legen sich nur im äußersten Notfall mit ihnen an.


Wir fahren weiter und plötzlich stoppt der Jeep. Emily sagt, wir sollen auf den Weg schauen und berichten, was uns auffällt! Wir sahen nichts. Sie stieg aus, bückte sich und hob etwas auf: eine große Menge von Stacheln eines Stachelschweines. Es war von einem Leoparden erlegt worden. In Todesangst werfen die Stachelschweine ihre Stacheln ab, um den Gegner zu töten. Der Guide erzählte, dass sie vor ein paar Tagen einen Leoparden gesehen hat, der übersät war mit diesen Stacheln und sie sich aus dem Fell leckte.

Normalerweise jagen sie aber Gazellen, wie wir dann auch sahen!

Weiter ging die Fahrt über wirklich holprigen Boden. Wer ‚Rücken‘ hat, kann so eine Tour nicht machen! Der Wagen schlug teilweise richtig auf und man hatte Mühe, die Stöße abzufedern.


Auf einer Wiese lagen die Nashörner (auch Rhinozeros genannt) gemütlich in der Sonne. Sie konnten uns nicht sehen, denn Nashörner haben ein geringes Sehvermögen, doch wird dieser Nachteil durch einen ausgeprägten Geruchssinn und ein sehr gutes Gehör ausgeglichen. Der Tourguide sagte uns direkt am Anfang, dass wir immer dann weiterfahren, wenn die Tiere irritiert sind oder zum Angriff starten. Deshalb verhielten wir uns sehr ruhig.
Das Horn der Rhinozerosse ist sehr beliebt. Es gibt organisierte Diebesbanden, die den Tieren bei lebendigem Leib das Horn heraustrennen. Alleine bei der Vorstellung solcher Grausamkeiten wurde uns übel. Wir fragten nach der Überwachung des Reservates und ob dabei Drohnen eingesetzt werden. Emily erzählte uns, dass das Reservat 24 Stunden mit Fahrzeugen überwacht wird. Drohnen kommen nicht zum Einsatz, da sie die Tiere irritieren.
Nashörner leben häufig als Einzelgänger, oder auch in kleinen, matriarchalisch organisierten Herden. Bullen sind meistens Einzelgänger und leben territorial. Ihr Reviere markieren die Bullen mit Urin und Kot. Tagsüber schlafen die Nashörner oder suhlen sich im Schlamm, der ihre Haut kühlt und vor der Sonne schützt.
Ein Nashorn ist ebenfalls schnell und läuft bis zu 45 Stundenkilometer schnell. Dabei kann es abrupt die Richtung wechseln. Sie werden oft von Vögeln wie Madenhackern oder Kuhreihern begleitet, die ihre Haut von Parasiten reinigen.
Alle Nashörner ernähren sich ausschließlich von Pflanzenkost und sind an diese Ernährungsweise mit breiten Backenzähnen angepasst. Dabei haben sich die Arten aber auf unterschiedliche Pflanzennahrung spezialisiert. Sie bevorzugen weiche Pflanzenkost, wie Blätter, Äste, Zweige, Knospen und Früchte.




Wir fahren weiter und hören über Funk, dass ein anderer Guide Elefanten gesichtet hat. Wir sind auf einem Hügel und sehen sie von weitem. Emily legt einen Zahn zu, damit wir sie nicht verpassen. Wir kommen noch rechtzeitig und sehen sie aus nächster Nähe. Und dann kommen über die vor uns liegendenWiese immer mehr Tiere, Erwachsene und Jungtiere. Ein tolles Erlebnis, denn sie laufen um unseren Jeep herum.
Elefanten sind die größten noch lebenden Landtiere. Wichtige Merkmale sind neben dem Rüssel vor allem bei erwachsenen Tieren die beiden Stoßzähne des Oberkiefers. Elefanten können bis über 6 Tonnen Körpergewicht entwickeln. Die aus Elfenbein bestehenden Stoßzähne werden vor allem zum Entrinden der Bäume sowie als Waffe gegen Feinde eingesetzt. Dabei dienen sie mehr dem Imponiergehabe als dem wirklichen Kampf.
Der Rüssel ist eine verlängerte Nase mit Nasenloch. Etwa 40.000 zu Bündeln verflochtene Muskeln machen den Rüssel sehr beweglich. Der Rüssel ist ein Multifunktionsorgan, das als Tast- und Greiforgan, zur Atmung und Geruchswahrnehmung sowie als Waffe und Drohmittel und als Saug- und Druckpumpe beim Trinken dient. Bis zu zehn Liter Fassungsvermögen hat er. Der Elefant frisst jeden Tag ungefähr 200 Kilogramm Nahrung und trinkt 70 bis 150 Liter.
Die Herden werden von einer Leitkuh angeführt. Dabei handelt es sich meist um die älteste und erfahrenste Elefantenkuh der Herde. Die Bullen stoßen nur zur Brunftzeit zu den Herden. Übrigens verständigen sich Elefanten nicht über die Trompetenlaute, sondern über ebenfalls für den Menschen nicht hörbare Hertzfrequenzen.
Emily erzählte uns, dass die Ausscheidungen (also Fladen) der Elefanten aufgrund ihres Verdauungssystems das beste Wasser der Welt enthalten. Sie wollte unbedingt einen frischen Fladen finden, damit wir es ausprobieren konnten. Wir waren ehrlich gesagt nicht so sehr scharf darauf, dieses Wasser zu probieren und hofften, dass sie keinen findet.





Wir verlassen die Elefanten, die sich in den Schatten der Büsche zurückziehen und fahren zu einem Platz, an dem sich oft die Löwen aufhalten. Das Pumba Game Reserve hat die seltenen weißen Löwen. Und tatsächlich: im Schatten unter den Büschen liegen die Löwen faul herum und blinzeln uns relativ desinteressiert an.
Emily erklärt uns, dass es sich bei diesen Löwen nicht um Albinos handelt. Die weiße Fellfarbe wird über ein rezessives Gen vererbt. Da weiße Löwen für potenzielle Beutetiere leichter zu sehen sind, haben solche Tiere es schwerer, in der Wildnis zu überleben. Ausgewachsene männliche Tiere kommen auf ein durchschnittliches Körpergewicht von 190 Kilogramm.
Im Gegensatz zu den übrigen, eher einzelgängerischen Großkatzen leben Löwen im Rudel. Ein solches Rudel besteht vor allem aus untereinander verwandten Weibchen und deren Nachkommen, die von einer „Koalition“ aus einigen ausgewachsenen Männchen verteidigt werden. Für gewöhnlich gibt es in einem Rudel drei bis vier ausgewachsene Männchen, die in der Rangordnung über den Weibchen stehen.
Die jungen Männchen werden beim Eintreten ihrer Geschlechtsreife – also nach 2 bis 3 Jahren – aus dem Rudel vertrieben. Sein Gebiet markiert der Löwe mit Urin und Kot, es kann in der Wildnis bis zu 400 Quadratkilometer groß sein. Hat der Löwe ein Rudel erobert, tötet er die Jungen der Vorgänger, um eigenen Nachwuchs zu zeugen.
Löwen jagen meist bei Dunkelheit oder in den kühlen Morgenstunden. Zu den Beutetieren gehören Antilopen, Gazellen, Gnus, Büffel und Zebras. Sie sind zwar bis zu 60 Stundenkilometer schnell, können diese Geschwindigkeit jedoch nicht lange durchhalten.




Bei unserer Weiterfahrt stoppt unser Tourguide nach ein paar Minuten und zeigt auf einen Termitenhügel. Sie steigt aus und klopft auf die äußere Hülle. Dabei erklärt sie, dass Termiten wie Bienenvölker zusammenleben. Das Klopfen erzeugt Stress, da sie einen Angreifer befürchten. Sie melden das an ihre „Königin“ und laufen alle zu der vermeintlichen Gefahrenquelle. Wir sehen auf einmal tausende Termiten auf dem Hügel. Emily bittet uns, die Termiten zu essen, da sie sehr eiweißhaltig seien und nach Zitronengras schmecken. Wir probieren aus ihrer Hand Termiten und tatsächlich schmecken sie nach Zitronengras. Der Geschmack kommt von der Säure, die sie unter Stress absondern.



Immer wieder laufen uns Gazellen über den Weg, die hier in Herden von bis zu 30 Tieren zusammenleben. Männliche Gazellen leben in den ersten Jahren in einer Junggesellenherde bis zur Geschlechtsreife. Danach beanspruchen sie alle Weibchen, die ihr Revier betreten. Sie sind ausdauernde und schnelle Läufer von mindestens 50 Stundenkilometer Geschwindigkeit. Beide Geschlechter haben Hörner, die der Weibchen sind etwas zierlicher.


Aus einiger Entfernung sehen wir noch die Büffel grasen. Damit haben wir die Big Five tatsächlich gesehen! Langsam bekommen wir Hunger und fahren zu einem Gebäude mitten im Reservat. Dort gibt es gekochte Gazelle und andere Herrlichkeiten. Neben unserem Tisch grasen einige Tiere und wir bekommen ein schlechtes Gewissen. Das Fleisch stammt aber nicht aus diesem Reservat.




Nach der Stärkung fahren wir langsam zurück. Emily hält noch einmal an und zeigt uns eine kleine gelbe Frucht, die sie öffnet.“

Von dieser Frucht kann man nur das Gallert um die Kerne essen – es schmeckt wie Litschies.
Sie entdeckt beim Weiterfahren noch Plumbago (Kap-Bleiwurz), dessen Blüte man essen und als Ohrschmuck verwenden kann, da die Blütenstängel so schön kleben.


Die Tour ist zu Ende, mit großem Bedauern fahren wir zum Schiff zurück!
Unser nächstes Ziel ist Kapstadt – wunderbar! Eine Stadt, die wir schon immer besuchen wollten!