Chrystal, unsere Kellnerin aus dem ‚Golden Lion Pub‘ an Bord, ist in Kapstadt geboren und hatte uns gewarnt: „Nehmt euch eine warme Jacke mit! Die Stadt hat oft alle vier Jahreszeiten an einem Tag zu bieten!“ Naja, schneien würde es wohl nicht, aber jetzt im April sei Herbst in Südafrika und daher sei das Wetter wechselhaft.

Also bereiten wir uns entsprechend vor und sind bereit, die ‚Mutterstadt Südafrikas‘ mit ihren rund 4 Millionen Einwohnern zu entdecken. Schon die Lage ist fantastisch: Am Fuße des Tafelbergs gelegen, etwa 70 Kilometer vom Kap der guten Hoffnung entfernt, dem südwestlichsten Punkt des afrikanischen Kontinents. Man findet hier geschäftige Häfen, fruchtbare Täler, großartige Vegetation und fast mediterranes Klima. Bis zur Südspitze Afrikas, dem Kap Agulhas, müsste man allerdings gut 150 Kilometer nach Südosten fahren. Diese Spitze haben wir am Abend vorher umrundet.
Die Stadtgründung geht zurück auf die ersten Europäer, die die Gegend als guten Hafen und Standort für Frischwasser, Obst und Gemüse entdecken. Das waren zunächst ab 1488 die Portugiesen, dann ab etwa 1640 die Niederländer, die auch durch Jan van Riebeeck 1652 die Stadt gründeten. Kapstadt war der wichtigste Hafen auf der Route von Europa um Afrika herum nach Indien und China. Deshalb hatte er die gleiche strategische Bedeutung wie Gibraltar. Nicht verwunderlich, dass auch die Briten Interesse an der Stadt hatten und es schafften, nach den napoleonischen Kriegen 1814 die Niederländer zu verdrängen- jedenfalls aus der Stadt. Holländisch stämmige Siedler- die sogenannten Buren – und britische Truppen kämpften Ende des 19. Jahrhunderts erbittert gegeneinander. Dabei ging es im Wesentlichen auch um den Zugriff auf die Bodenschätze, insbesondere die Goldminen und die Diamantfelder in der Gegend um Kimberley. Die Briten behielten die Oberhand, die Kolonie erlangte im 20. Jahrhundert Selbständigkeit. Das System der ‚Apartheid‘, also der Rassentrennung zwischen Weißen, Farbigen und Schwarzen wurde in den 1980er Jahren überwunden. Nelson Mandela wurde der erste schwarze Präsident des Landes, nachdem er 27 Jahre im Gefängnis gesessen hatte.
Die ersten Eindrücke von der Stadt sind eher verhalten: unsere Stadtrundfahrt beginnt schon um 6 Uhr morgens, um halb sieben sitzen wir im Bus. Es ist dunkel, Sprühregen und Nebel behindern die Sicht, und das erste Ziel soll der Tafelberg sein. Der liegt in der Regel vormittags in Wolken, erst ab nachmittags ist erfahrungsgemäß die Sicht gut. Uns so ist es dann auch: am Fuße des Tafelbergs an der Seilbahn macht der Bus wieder kehrt. Keine guten Bedingungen, um sich mit Kapstadt anzufreunden. Die Strände an der Hout Bay und am Chapmans Peak auf der Westseite beeindrucken uns dann auch nicht sonderlich. Es ist immer noch eher dämmrig und auch den Signal Hill erkennen wir kaum.

Nächste Station ist die Pinguin-Kolonie in Boulders, gelegen an der False Bay, also nicht am offenen Südatlantik. Auf dem Weg dorthin passieren wir Simonstown, den größten Marine-Hafen Südafrikas, in dem einige Fregatten und U-Boote liegen. Pinguine sind je eigentlich in der Antarktis heimisch, aber hier an der Südspitze Afrikas hat es schon immer eine Population gegeben. Sie waren im frühen 20. Jahrhundert vom Aussterben bedroht, weil die Tiere gejagt wurden und man die Hinterlassenschaften der Tiere, den sogenannten ‚Guano‘, als Dünger sammelte. Heute sind die Pinguine in Südafrika geschützt, die Population hat sich wieder deutlich vergrößert. Hier vor den Toren Der Millionenstadt, in Boulders am Foxy Beach, sind aus gerade einmal einer Handvoll Brutpaare im Jahre 1982 mittlerweile 2.500 geworden. Die ‚Esels-Pinguine‘, wie man sie wegen ihres dem ‚Ih-Ah‘ des Esels ähnlichen Rufes nennt, sind etwa 60 bis 80 Zentimeter groß und ganz schön selbstbewusst. Nicht streicheln! Nicht zu nahe kommen! Vor allem jetzt, die jungen Pinguine sind gerade geboren und die Eltern sehr auf den Schutz des Nachwuchses bedacht. Das merken auch die Kliff-Schlieper, wenn sie den Nestern zu nahe kommen.






Von Boulders aus sind es noch gut 20 Kilometer bis zum Kap der Guten Hoffnung, das uns auch mit starkem Wind, kühlen Temperaturen und Regenschauern begrüßt. Ein trotzdem sehr beeindruckendes Panorama hier am Ende der Welt!






Wenige Kilometer entfernt liegt Cape Point mit seinem alten Leuchtturm, zu dem eine Zahnradbahn hochfährt. Man sieht von dort zur einen Seite den offenen Südatlantik, zur anderen Seite auf der False Bay nach Osten Richtung Indischer Ozean.




Das Wetter ist aufgegangen und wir haben Lunch in einem Restaurant in Cape Point. Der Tourguide teilt uns mit, dass wir einen zweiten Anlauf für den Tafelberg wagen.
Der Rückweg dorthin zieht sich. Wir fahren am ehemaligen Silberminengebiet von Muizenberg vorbei, passieren einen riesigen Gefängnis-Komplex und erreichen schließlich die Weinanbau-Region von Constantia. Sie ist nicht so groß und bekannt wie Stellenbosch, aber sehr schön auf Hügeln in der Stadt gelegen. Es geht vorbei am Groote-Schuir-Krankenhaus, wo Christian Barnaard die weltweit erste Herztransplantation durchgeführt hat.



Gegen drei Uhr am Nachmittag erreichen wir erneut die Talstation der Tafelberg-Seilbahn. Das Wetter ist besser geworden, die Wolken reißen auf. Allerdings ist knapp unter dem Gipfel ein noch ein Nebelkranz. Kein Problem meint unser Tourguide Linda, das wird noch besser werden! In jede Seilbahngondel passen ungefähr 60 Personen. Der Boden dreht sich, sodass jeder mal nach vorne und nach hinten schauen kann, ein tolles Erlebnis. Oben angekommen erleben wir tatsächlich einen tollen Blick auf die Stadt, den Hafen in Table Bay mit ‚unserer‘ Queen Victoria und dem französischen Hubschrauber-Träger ‚Tonnere‘, daneben das Fußballstadion, in dem 2010 das WM-Endspiel stattgefunden hat. Sehr beeindruckend auch der Rundgang auf dem in der Tat flachen und großen, aber sehr felsigen Plateau des Tafelberges.








Am Abend gehen wir auswärts essen, damit wir außerhalb des sehr guten Britannia Club Restaurants einmal landestypische Speisen kennenlernen. Die Victoria und Alfred Waterfront, wenige hundert Meter vom Schiff entfernt erweist sich als Knaller! Das alte Werft- und Hafengelände ist ein riesiges Freizeitgebiet mit vielen überdachten kleinen Geschäften und noch viel mehr guten Lokalen, Kneipen und Restaurants mit Blick aufs Wasser. Es ist Freitagabend, halb Kapstadt ist hier, gefühlt an jeder Ecke spielt eine Band oder singt ein Chor landestypische Songs. Es ist richtig was los – und vor allem fühlen wir uns hier auch absolut sicher!






Die Empfehlung unserer Kellnerin Chrystal aus dem Pub erweist sich als Volltreffer: das Restaurant ‚Quay 4‘ (übrigens Südafrikas erste ‚Husbands Day Care‘ hat eine tolle Aussicht und wunderbares Essen zu günstigen Preisen. So lassen wir uns mit unseren Mitreisenden Sigrid und Jürgen Austern, Meeresfrüchte und einheimisches Wild (Springbock, Kudu-Antilope und Strauß) schmecken, dazu guter Weißwein aus Südafrika- einfach wunderbar!
Nach einem weiteren ausgedehnten Bummel durch die Waterfront verlassen wir Kapstadt am Samstagnachmittag mit sehr stimmungsvollen Bildern, auf die die Stadt umgebenden Berge und machen uns auf den Weg nach Namibia, unserer letzten ‚echten‘ Erlebnisdestination, bevor wir dann nach Gran Canaria und Europa weiterfahren. Und zumindest haben wir drei Jahreszeiten an einem Tag erlebt!





