Anfang oder Ende? Inverness(ie)

Inver bedeutet Anfang oder Ende – je nachdem, wie man es sehen möchte. Inverness ist eine wohlhabende Stadt, denn hier wird reichlich Whisky produziert. Deshalb sieht man überwiegend Felder mit Malzanbau.

Der Ort, wo wir mit der Mein Schiff 3 anlegen, heißt Invergordon. Ein kleines Dorf und nicht wirklich schön. Nur die Fassaden der Häuser sind teilweise hübsch gestaltet. Ein Pub konnten wir nicht entdecken.

Hausfassade in Invergordon
Hausfassade und Invergordon
Hausfassade und Invergordon

Whisky – die Einkommensquelle der Schotten! Insgesamt gibt es in Schottland 110 Destillerien. In den Highlands, wo wir uns gerade befinden, werden hauptsächlich die malzigen Whiskys hergestellt. Auf den westlichen Inseln Schottlands werden die torfigen Whiskys produziert. Torf dient hier als Brennstoff- und der Geschmack wird von den Fässern angenommen und dann an den Whisky abgegeben. Whisky hier zu kaufen, macht für uns Deutsche keinen Sinn, da er so hoch besteuert und damit 30 Prozent teurer als bei uns ist.

Fahrt nach Inverness. Unser gebuchter Ausflug begann mit der Begrüßung durch einen Reiseleiter im Kilt. Inverness ist eine lebendige Stadt, in der viele Pubs mit Livemusik für gute Laune sorgen. Sie ist die Hauptstadt der Highlands und sehr wohlhabend.

Mitte des 18. Jahrhunderts wurden die Einheimischen hier von den Briten vertrieben. Ein großer Teil wanderte nach USA aus und kam sehr wohlhabend wieder zurück. Der Reichtum der Stadt beruht nicht nur auf der reichlichen Whiskyproduktion sondern auch auf Erdölvorkommen – 95 Prozent des Erdöls in Großbritannien kommt aus Schottland.

St. Andrews – Sitz des Bischofs! Heute besuchen wir die Kathedrale St. Andrews in Inverness und anschließend Loch Ness mit Urquhardt Castle. Neben den Katholiken und Protestanten gibt es hier auch noch viele freikirchliche Religionen.

St. Andrews ist die Kathedrale des Bistums Moray, Ross and Caithness der Scottish Episcopal Church und ist Sitz des Bischofs. 1971 wurde das Bauwerk in die schottischen Denkmallisten in der höchsten Denkmalkategorie A aufgenommen. Die Inverness Cathedral gilt als die am weitesten nördlich gelegene Kirche mit Wechselläuten der Welt – eine Kunstform des manuellen Läutens.

St. Andrews
St. Andrews
St. Andrews

Die Kreuzkirche ist neogotisch ausgestaltet. Ihr Mauerwerk besteht aus rötlichen Steinquadern mit kontrastierenden cremefarbenen Natursteineinfassungen

St. Andrews

Nessie als Tourismusmagnet. Loch Ness ist der größte Süßwassersee Großbritanniens. Sämtliche Seen von Südwales und England hätten dort Platz, so groß ist er. Er ist relativ arm an Fischen, was dazu geführt hat, dass man behauptete, ein Seeungeheuer würde sie alle auffressen. Zumal man auf dem Grund alte Steine der Vorfahren gefunden hat, auf denen ein Seeungeheuer gezeichnet war.

In den 1930er Jahren tauchte ein Foto mit einem angeblichen Ungeheuer in Loch Ness auf. Das ist zwar schon lange als ‚Fake‘ erkannt worden, jedoch sorgt diese Geschichte dafür, dass der Tourismus stark davon profitiert.

Wir haben Nessie gesehen
Hier wächst duftender Dornenginster

Viel ist nicht mehr übrig – dennoch: Die Ruinen lassen sehr gut erahnen, welch prachtvolle Burg die Urquhart Castle einst war. Stolz überblickt der verfallene Turm der Urquhart Castle das weite Loch Ness. Die Burg steht strategisch günstig: Wer im Mittelalter auch immer durch das Great Glen – das große Tal der Highlands – ziehen wollte, musste Urquhart Castle passieren. Das Loch bot dabei einen natürlichen Schutz. Denn Urquhart liegt auf einem Landvorsprung, der in den großen See hineinragt. Dadurch ist die Burg von drei Seiten mit Wasser umgeben – keine Chance für die Feinde. Vor allem, weil man auf der Landseite noch einen Burggraben gezogen hatte, der nur mit einer Zugbrücke zu passieren war.

Urquhart wird in etwa „ar-kart“ ausgesprochen – also relativ simpel. Die Schreibweise ist nicht Gälisch, denn das Gälische kennt kein „Q“. Dennoch sind die Ursprünge im Gälischen zu suchen: „Airdchartdan“ ist wohl eine Mischung aus Gälisch und Walisisch und bedeutet ungefähr „beim Wald“.

Auf dem Landvorsprung in das Loch Ness stand vermutlich schon im fünften Jahrhundert eine Festung der Pikten. Darauf deuten zumindest Ausgrabungen aus dem Jahr 1983 hin. Zum ersten Mal erwähnt wurde die Burg im Jahr 1296. In diesem Jahr fiel der englische König Edward I. in Schottland ein und nahm die Urquhart Castle in Besitz. Allerdings nicht für lange Zeit, denn Robert the Bruce befreite Schottland von der Fremdherrschaft – und damit auch die Burg am Loch Ness.

Urquhart Castle war danach ein Spielball verschiedener Mächte: Schotten, Engländer, die Lords of the Isles und deren Erben, die MacDonalds, gaben sich hier fleißig die Klinke in die Hand. Dabei wurde die Burg immer weiter ausgebaut und verstärkt. Im 16. Jahrhundert wurde die Burg schließlich dem Clan Grant zugesprochen.

Kleiner Fotostopp auf der Rückfahrt! Auf der Rückfahrt hielten wir noch Beauly. Der Ort entwickelte sich um die im Jahr 1230 gegründete Beauly Priory. Gründer war wahrscheinlich Sir John Bisset, ein Gefolgsmann von König Alexander II. Das Kloster war eines von dreien, die der aus dem französischen Kloster Val-des-Choues hervorgegangene Orden der Valliscaulianer in Schottland besiedelte. Die Valliscaulianer gingen im 18. Jahrhundert im Zisterzienserorden auf. Sie benannten das Kloster Prioratus de Bello Loco (französisch Prieuré de Beaulieu) also Kloster am schönen Ort, woraus sich der heutige Ortsname entwickelte.

Kloster in Beauly
Kloster in Beauly

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