Hier in Kirkwall legen pro Jahr 220 Kreuzfahrtschiffe an – eine unglaubliche Zahl, zumal es nur einen Liegeplatz gibt. Deshalb lebt die Stadt hauptsächlich vom Tourismus, an zweiter Stelle von der Landwirtschaft und an dritter Stelle erst von der Fischerei.


Die Orkneyinseln umfassen insgesamt 70 Inseln. 20 davon sind bewohnt. Wir liegen mit der Mein Schiff 3 auf der sogenannten Mainlandinsel, auf der 22. 000 Einwohner leben – das sind 90 Prozent der Gesamtbevölkerung! Hier gibt es keine einzige Ampel und die Insel ist ein Paradies für Angler, da kostenlos!
Die Zahl der Kühe und Schafe übertrifft die Anzahl der Einwohner locker! Von 100.000 Kühen werden 30.000 jedes Jahr geschlachtet, das Fleisch exportiert. Das gleiche gilt für die 120.000 Schafe. Durch den nährstoffreichen Boden gedeihen hier Hafer, Gerste und viele Gemüsesorten.

Wir fuhren an zwei kleinen unbewohnten Inseln vorbei, auf denen nur Tiere leben. Normalerweise könnten sie bei Ebbe auf die Hauptinsel kommen, da die Tiede an einigen Stellen sehr tief ist. Um das zu vermeiden, hat man auf dem Meeresboden ein Tor installiert, sodass ein Wechsel nicht möglich ist.
Unser Bus hielt an den Standing Stones of Stinness – eine aus der Steinzeit stammende Gruppe von Felsen – war Stonehenge in Kleinformat. Die Pictens haben früher diese Steinkreise und auch Holzquader aufgestellt. Nur die Steine sind erhalten geblieben. Man geht davon aus dass sie religiösen Zwecken oder der Gestirnenbeobachtung diente. Die Steine kamen teilweise von anderen Inseln. Der spätere Besitzer dieses Grundstückes – Bauer Captain MacKay – im 19. Jahrhundert ärgerte sich, dass Touristen an diesem Ort kamen und seine Felder zertrampelten. Deshalb zerstörte er einen Teil dieser Steingruppe.


Im Zentrum liegt eine große Feuerstelle, die heute noch sichtbar ist. Es finden sich noch ein gepflasterter Weg, mehrere aufgestellte Steine, offenbar noch eine weitere Feuerstelle und Pfosten eines Drei-Stein-„Dolmen“ – die Feuerstelle erfüllte offenbar eine zentrale Funktion.


Weiter ging die Fahrt durch wunderschöne Landschaften und an struppigem Heidekraut vorbei, das hier schon ab August blüht. Die Reiseleiterin erzählte uns, dass hier pro Kopf dreimal mehr Autos fahren als in Großbritannien und zwar hauptsächlich E-Autos. Auf den Inseln wird so viel Strom erzeugt, dass er nicht komplett verbraucht wird. Da kein Weitertransport möglich ist, werden die Bewohner aufgefordert, sich E-Autos anzuschaffen!

Wir passierten die Bucht von Scapa Flow, die sich aus der Lage der im südlichen Teil der Orkney (Schottland, Vereinigtes Königreich) Inseln Mainland, Burray, South Ronaldsay, Flotta und Hoyergibt. Dadurch entsteht eine Art geschlossener Innensee von etwa 10 km × 15 km Fläche mit Ein- und Ausgängen.
Hier war die ehemalige kaiserliche Flotte als Folge des Waffenstillstands am Ende des Erdten Weltkrieges interniert worden. Da die deutsche Regierung kurz davor stand, den Vertrag von Versailles zu unterzeichnen, der die Auslieferung aller Kriegsschiffe vorsah, initiierte der Konteradmiral Ludwig von Reuter die organisierte Selbstversenkung.
Der nächste Stopp war die italienische Kapelle, die seit 1987 in die Denkmalliste aufgenommen wurde. Das sogenannte Camp 60 beherbergte während des Zweiten Weltkrieges italienische Kriegsgefangene, die die Churchill Barriers bauen sollten. Da sie sehr religiös waren und ihre warme Heimat vermissten, erlaubte der Lagerkommandant ab 1942 den Bau der Kapelle. Ihre unterschiedlichen Begabungen führten zu wunderschönen 3D Wandmalereien.

Vor der Kapelle errichteten sie eine Statue des Heiligen Georg, dem Drachentöter. Als die Kapelle fertig war, war auch der Zweite Weltkrieg beendet. Einer der italienischen Strafgefangenen verliebte sich in ein einheimisches Mädchen, kehrte jedoch nach Italien zurück. Er hinterließ auf dem Boden ein metallenes Herz. 50 Jahre nach Baubeginn hielten die ehemaligen Gefangenen eine gemeinsame Messe in der Kapelle.



Nach der gebuchten Tour haben wir in Kirkwall noch ein Eis gegessen und uns angeschaut, welche Kirchen es hier gibt, King Charles bewundert und das schöne Wetter genossen.



