#Day 5: Madeira (1) – The History

Madeira heißt übersetzt „Holz“, denn hier auf der Insel wuchsen viele Lorbeerbäume. Das kostbare Lorbeerbaumholz wurde vor allem für den Schiffbau gebraucht.

Auch der Anbau des aus Sizilien eingeführten Zuckerrohrs spielte eine wichtige Rolle. Bereits 1452 wurde die erste Wassermühle zur Zuckerrohrverarbeitung errichtet, nahezu zur selben Zeit wurden die ersten Bewässerungskanäle (Levadas) angelegt. Bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts war Madeira zum Zentrum des portugiesischen Zuckerrohranbaus geworden

Zuckerrohr wurde zunächst am Standort der heutigen Kathedrale Sé Catedral de Nossa Senhora da Assunção (Kathedrale unserer lieben Frau) angebaut und in Machico verarbeitet.

Die Kathedrale

Die Plantagen wurden von afrikanischen Sklaven bestellt. Die Sklavenbevölkerung Madeiras wuchs mit dem Erfolg der Zuckerindustrie. 1552 lebten fast 3000 Sklaven auf der Insel.

Madeiras Plantagen waren äußerst profitabel für wohlhabende portugiesische Familien. Mit dem Anstieg von Europas Nachfrage nach Zucker oder „weißem Gold* wurden mehr Sklaven erforderlich. Tagsüber schnitten Sklaven Zuckerrohr. Nachts wurden sie durch ein Ausgehverbot eingesperrt.

Immer mehr Gutsbesitzer verließen ihre bescheidenen Niederlassungen auf den Plantagen, um in repräsentativen Häusern in Funchal zu leben. 1500 verlieh König Manuel Funchal die Stadtrechte. Er führte ein Wappen ein, das aus fünf Zuckerhüten in der Form eines Kreuzes bestand.

1570 begann die portugiesische Kolonie Brasilien, die europäischen Zuckermärkte zu dominieren. Die madeirischen Landwirte wechselten vom Zuckerrohranbau zum Weinbau.

Der Export von Zucker und Wein war außergewöhnlich erfolgreich. Madeiras Handel wuchs und eine Kaufmannsklasse entwickelte sich.

Portugiesische Kaufleute gründeten ,,Faktoreien“ genannt Handelsbüros. Diese waren entlang der Küsten der westafrikanischen Kolonien weit verbreitet.

Ähnliche Faktoreien für kommerziellen Handel wurden in Brügge, Antwerpen und Macao gegründet.

Auf Madeira ansässige Kaufleute begannen, Luxusgüter aus Übersee zu importieren, um ihre luxuriösen Häuser zu schmücken. Europäische Mode spiegelte sich in reich gewobenen Textilien, orientalischer Keramik und reich verzierten Möbeln wider.

Die Kaufleute stellten ihren Wohlstand auch durch künstlerische Aufträge für flämische Gemälde und religiöse Skulpturen zur Schau. Religiöse Kunst wurde als Schmuck für private Kapellen und Gemeindekirchen genutzt.

Madeira befand sich während des 17. Jahrhunderts im Zentrum des atlantischen Handels.

Funchal wurde ein wichtiger Versorgungspunkt auf der Reise nach Afrika und Ost-und Westindien. Eine große Anzahl von Menschen und Waren passierte Madeira.

Importwaren wie Segeltuch, Teer, Kurzwaren und Kochutensilien kamen aus Europa. Madeira exportierte seinen Zucker, Wein und seine Konserven.

Europas Handel mit Amerika brachte Tabak aus Virginia und Weizen aus Neuengland. Rum, Indigo und Melasse kamen von den Plantagen in Westindien.

Die Gruppe aus europäischen Händlern mit Anteilen an den Plantagen entwickelte sich bald zu einer kosmopolitischen Elite. Viele besaßen Grundstücke in Europa und Nord- und Südamerika. Ihre Aufenthalte in Madeira verbrachten sie in luxuriösen, Quintas – also Häusern.

Die Interieurs der Häuser gewannen eine neue Bedeutung, da ihre Besitzer Gesellschaften veranstalteten und damit abendliche Feste und Tänze wichtiger wurden.

Der ausgelaugte Boden der Insel brachte nach 1521 immer schlechtere Erträge, und es folgte ein drastischer Niedergang der Zuckerrohrproduktion. Viele Pflanzungen wurden in Weinberge umgewandelt. Im 16. Jahrhundert wurde Madeira ein Exporteur von Weinen. Die Reben stammten ursprünglich von Zypern, Kretaund Sizilien.

Im Laufe der Zeit nutzte Madeira sein Potenzial aus, nämlich den Tourismussektor, und entwickelte ihn. Heutzutage spielt er eine wichtige Rolle in der regionalen Wirtschaft, da die Insel bei Touristen aus aller Welt sehr beliebt ist.

Statue von Zarco

Heute blickt die Statue von Zarco auf dem Platz vor der Bank von Portugal, mitten im Zentrum Funchals, auf die Nachkommen der damaligen Siedler herunter. Da der portugiesische Kolonialbesitz inzwischen stark zusammengeschrumpft ist, hat diese erste große Entdeckung für Portugal in der letzten Zeit wieder sehr an Bedeutung gewonnen.

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