Visby – Wo Pippi Langstrumpf ihre Bonbons kauft

Angesprochen auf die Ostseeinsel Gotland und ihre Hauptstadt Visby, kommt so ziemlich jeder Schwede ins Schwärmen. Wir legten mit der Queen Anne am frühen Morgen an und waren schon sehr gespannt. Man findet kaum jemanden, der diese reizende mittelalterliche Stadt auf der östlich vom schwedischen Festland gelegenen Insel Gotland nicht gerne hat. Und so schwärmte auch unser Tourguide, die ein bisschen aussah wie Pumuckel, von ihrer Stadt.

Visby ist mit rund 25.000 Einwohnern die Hauptstadt der Provinz Gotlands und Hauptort der Gemeinde Region Gotland  sowie Bischofssitz des gleichnamigen Bistums.

Visby gilt als eine der am besten erhaltenen Hansestädte und ist deshalb seit dem Jahr 1995 auch UNESCO Weltkulturerbe. Mit ihren fünfzig Wachtürmen, Toren, Zugbrücken und Wällen gibt sich die mittelalterliche Stadt so trotzig, als müsse sie ihren Reichtum aus der Hansezeit auch heute noch vor Plünderern schützen.

Visby kann auf eine lange und überwiegend erfolgreiche Geschichte als Handelsstadt zurückblicken. Im 12. Jahrhundert hatte der Ostseehandel einen großen Aufschwung genommen, und Gotland spielte in diesem Seeverkehr eine zentrale Rolle. Noch aber war Visby nicht das Zentrum dieses Handels, sondern die Fernhändler wohnten über die ganze Insel verteilt auf ihren Höfen; obwohl sie vielfach eigene Schiffe besaßen, blieben sie daneben Bauern. Ihre Handelsbeziehungen reichten bis Nowgorod, wo ihnen der Goten- oder St. Olafshof als Niederlassung diente. Im Hinblick auf den Ostseehandel war in der Mitte des 12. Jahrhundert auch Lübeck gegründet worden, und Heinrich der Löwe hatte eine Verständigung der Gotländer mit lübischen Fernhandelskaufleuten herbeigeführt. Man bildete eine gemeinsame Handelsvereinigung, die Gotländische Genossenschaft – eine Frühform der Hanse –, die aus einer Gruppe reisender Fernhandelskaufleute bestand. Die Insel blieb der eigentliche Mittelpunkt dieser Genossenschaft, und im Laufe der Zeit ließen sich zahlreiche deutsche Kaufleute hier nieder. 

Die treibende Kraft der Handelsexpansion war die Genossenschaft der Gotlandfahrer gewesen. Sie verlor aber seit Mitte des 13. Jahrhunderts an Bedeutung und wurde durch Bündnisse der Städte abgelöst: Mit ihren strafferen Organisationsformen konnten sie ihre diplomatischen Beziehungen weit besser zum Schutz der Kaufleute nutzen. Einen solchen Bund zum Schutz der deutschen Kaufleute, die vom Sund nach Nowgorod fuhren, schlossen 1280 Lübeck, Visby und Riga. Die Gotländische Genossenschaft wird dabei schon nicht mehr erwähnt, vielmehr sollten offenbar Lübeck und Visby gemeinsam die Führungsrolle übernehmen. So konzentrierte sich die Leitung der Fernhandelspolitik zunehmend in den Händen der Ratsherren. Um eine gezielte Handelspolitik durchzusetzen, mußte Visby aber entweder einen Konsens mit der Landgemeinde zustande bringen oder dem Umland den eigenen Willen aufzwingen. Offensichtlich entschied man sich zunehmend für letzteres, und die dadurch verursachten Spannungen entluden sich im Jahr 1288. Der Rat der Stadt hatte mit dem Bau einer Mauer zur Landseite begonnen, die die Trennung von Stadt und Land sichtbar vor Augen führte. Die Absonderung der Stadt mußte hier eine noch nachdrücklichere Wirkung haben als auf dem Kontinent, denn nur zwei weitere schwedische Städte besaßen eine Stadtmauer. Gleichzeitig versuchte Visby, die ländlichen Handelswaren an der Mauer mit neuen Abgaben und Steuern zu belegen. Im April 1288 kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Die Bewohner der Stadt schlossen die Tore, das Aufgebot der Landgemeinde belagerte die Stadt. Als die Städter nachts einen Ausfall unternahmen, richteten sie ein großes Blutbad unter den Bauern an. Damit nicht genug, zwangen sie die überlebenden Bauern noch im gleichen Jahr, die Stadtmauern, gegen deren Bau sich der Protest gerichtet hatte, auf eigene Kosten zu erhöhen. Die Bürgergemeinde hatte sich als überlegen erwiesen.

Innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer erstreckt sich die Altstadt von Visby in einem Labyrinth aus engen, im Sommer reichlich blühenden Gassen und schmalen Treppenstiegen. Alte Fachwerkbauten und Treppengiebelhäuser, noble Kaufmannsviellen, Kirchen und Klöster prägen das gepflegte Stadtbild Visbys. Die alten Kaufmannshäuser und der Hansehafen erinnern noch heute an Visbys wichtige Stellung in der Zeit der Hanse.

Einmal im Jahr feiert Visby im August die Mittelalterwoche und die Geschichte wird wieder lebendig. Dann füllt sich die kleine Stadt mit Mönchen, Kaufleuten und Rittern. Höhepunkt der Mittelalterwoche in Visby ist das Ritterturnier, bei dem die schwedischen Ritter um Ruhm und die Gunst der Damen kämpfen.

Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Visby gehören die zahlreichen Kirchenruinen, wie beispielsweise die Ruine der Stora Torget mit der Kirchenruine S:t Karin.

Darüber hinaus gibt es eine gut erhaltene, dreieinhalb Kilometer lange, mittelalterliche Ringmauer. Viele ihrer ursprünglichen Türme aus dem 13. Jahrhundert sind noch intakt. Die Mauer umringt das Zentrum Visbys und diente einst zum Schutz vor Feinden aus dem Ausland und schwedischen Angreifern vom Land.

In den Straßen von Visby gibt es mehr als 200 Gebäude und Wohnhäuser, die aus dem 12. bis 14. Jahrhundert stammen. Der Tourguide zeigte uns das kleinste Wohngebäude mit 15 Quadratmetern, das über eine Million Euro gekostet hat. In Visby sind die Immobilienpreise durch die Decke gegangen, denn hier hat nicht nur Ingmar Bergman gedreht, sondern in Visby wurden auch die meisten Pippi Langstrumpf-Filme aufgenommen. Deshalb kann man überall Spuren von Pippi entdecken, z.B. wo sie ihre Süssigkeiten gekauft hat, oder die Straße an der sie ständig entlanggelaufen ist.

Visbys kleinstes und teuerstes Gebäude
Fiskargränd – die berühmte Pippi-Langstrumpfstraße mit ihren Rosenbüschen
Hier kaufte Pippi Langstrumpf ihre Süssigkeiten

Die wirtschaftliche Situation in Visby zeigt sich dann auch in solch abstrusen Schildern.

Es gab in den frühen Jahrhunderten schon eine Feuerversicherung. An dem Kennzeichen über der Tür, konnte die Feuerwehr erkennen, ob der Besitzer für diese Versicherung bezahlt hat. Hatte das Haus dieses Kennzeichen nicht, fuhr die Feuerwehr einfach weiter und das Haus brannte nieder.

Die zahlreichen historischen Kirchenruinen sind umsäumt von wunderbaren Pflanzen und vielen Rosen, die betäubend duften.

Der Botanische Garten von Visby wurde im Jahr 1855 angelegt und bietet eine große Sammlung von an exotischen Bäumen und Pflanzen, die in dem milden Klima auf Gotland gut gedeihen. Man findet hier auch einen Kräutergarten und immer wieder Rosen.

Am Schluss waren wir noch in einem Eisladen mit über 300 Sorten Eis: unter anderem Heringsgeschmack, Teergeschmack und Red Bull Geschmack. Wir sind jedoch bei den normalen Eissorten geblieben und haben es uns schmecken lassen.

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