Ein ganz besonderes Erlebnis während unserer Reise war die Fahrt durch den Panamakanal. Dieser künstliche Seeweg verkürzt die Entfernung der Schiffe, die vom Atlantik in den Pazifik fahren um viele tausend Seemeilen. Er ist seit 1814 in Betrieb, nachdem die ursprünglichen Pläne eines französischen Konsortiums unter F. d. Lesseps (Erbauer des Suezkanals) gescheitert waren und durch US-Amerikaner dann verwirklicht wurden.


Die US-Boys (eine Gesellschaft) hatten realisiert, dass zunächst die sumpfige Umgebung beseitigt werden muss, damit die Arbeiter nicht an Krankheits-Epidemien starben. Außerdem entschieden sie sich für die Errichtung von Schleusen zur Überwindung des Höhenunterschiedes. Deshalb legten sie sowohl auf der Atlantik- als auch auf der Pazifikseite einen künstlichen See an.
Unser Panamakanal-Erlebnis begann um 7 Uhr morgens, als der Kanal-Lotse an Bord gebracht wurde. Es herrschte viel Schiffsverkehr auf der Karibikseite: Frachter, Passagierschiffe aber auch Segelyachten warteten an den Schleusen.
Wir konnten mit der Queen Victoria ohne Wartezeit in den Kanal einfahren. Kein Wunder: Cunard zahlt für die Passage 354.000 US Dollar. Der Fahrpreis ist selbstverständlich im Voraus zu entrichten. Da sich der Preis nach Gewicht berechnet konnte ein Schwimmer, der 1932 den Kanal durchquerte, für 36 US Cent durchschwimmen.


Der Panamakanal sieht auf den ersten 2 bis 3 Kilometern aus wie eine Flussmündung – anfangs sehr breit, dann immer schmaler werdend. Dann kam die erste Schleuse. Vor uns waren zwei weitere Kreuzfahrtschiffe.


So konnte man gut sehen, dass zwischen Schiff und Ufer auf jeder Seite nur 1 m Platz war. Es kommt also auf jeden cm an!
An jeder Seite fahren 4 kleine Elektroloks, zwei vorne, zwei hinten. Sie sind durch Stahlseile mit dem Schiff verbunden. Die Seile halten das Schiff exakt parallel zur Schleuse, damit es nirgendwo anstößt. Dieses ‚Einparken‘ dauert ca. 30 Minuten, dann schließen sich die Schleusentore, es geht einige Meter aufwärts. Die Lokomotiven ziehen das Schiff nun in das zweite Schleusenbecken, wieder einige Meter hinauf, dann in ein drittes Schleusenbecken.


Hoch über den Schleusen wird gerade eine elegante Brücke errichtet – sehr hoch, damit alle Schiffe durchlassen. Wir nutzen noch die alten Schleusen von 1914. Jedoch direkt parallel dazu sind seit 2016 auch neue und größere Schleusen in Betrieb, durch die die großen Containerfrachter geschleust werden.

Um kurz nach 11 Uhr konnten wir die Gatun-Schleuse an der Karibikseite verlassen und durch den Gatunsee nach Süden in Richtung Pazifik fahren. Es folgte eine langsame Fahrt vorbei an grünen Ufern und tropischem Regenwald nur ab und zu eine kleine Häuseransiedlung.



Nachmittags um 3 Uhr erreichten wir bei über 30 Grad und 75 Prozent Luftfeuchtigkeit die Miraflores-Schleusen auf der Pazifikseite. Alle Passagiere und auch viele Besatzungsmitglieder waren die ganze Zeit auf dem Schiff unterwegs, um alle Stationen zu fotografieren. Hier begegnen wir auch wieder den anderen Passagierschiffen.


Die Brücke ‚des Americas‘ überspannt hier den Kanal, über den der Pan American Highway führt. Wieder werden die Seile der Lokomotiven Backbord und Steuerbord angespannt und der geschilderte Prozess beginnt von vorne. Doch diesmal geht es in der Schleuse nicht hinauf, sondern herunter auf Meeresniveau.


Eine besondere Überraschung: an Land befindet sich ein Besucherzentrum, indem hunderte junger Leute die ein- und ausfahrenden Schiffe bejubeln. Offensichtlich eine internationale Veranstaltung, denn viele habe ihre Nationalflaggen dabei. Sie begrüßen uns mit großem Jubel und singen für uns – ein toller Internationaler Chor.

Nachdem wir die Schleusen verlassen haben, taucht hinter einer kleinen Hügelkette die Skyline von Panama City auf. Moderne weiße Hochhäuser- Panama verdient offensichtlich sehr gut an dem Kanal!

Eine halbe Stunde nachdem wir aus der Schleuse heraus sind, wird der Lotse abgeholt und das Schiff nimmt seine normale Geschwindigkeit auf. Es fährt in Richtung Costa Rica nach Nordwesten. Am späten Abend erhalten wir ein Zertifikat, auf dem bescheinigt wird, dass wir den Panamakanal an Bord der Queen Mary durchfahren haben. Eine tolle Erinnerung an einen unvergesslichen Tag.
