Bay of Islands – wunderschönes Neuseeland (3)

Die ‚Bay of Islands‘ ist das Ziel unserer dritten Etappe in Neuseeland. Sie liegt auf der Nordinsel, an der Ostküste etwa auf halber Strecke zwischen der Metropole Auckland und der Nordspitze der Insel.

Diese Bucht hat ungefähr 150 meist unbewohnte Inseln, die die 50 km lange Bucht zum natürlichen Hafen und zu einem bevorzugten Urlaubs- und Naherholungsgebiet machen.

Es sieht alles ein wenig aus wie im Schwarzwald am Schluchsee oder Titisee: die Landschaft ist hügelig bzw. gebirgig. Alles ist dicht und grün bewachsen mit eingestreuten Weiden und schwarz-bunten Kühen.

Die einzelnen Teile der Bucht reichen so tief ins Land, dass man sie für Seen hält. Die Tourismusagenturen bieten Wassersport aller Art an.

Wir besuchen den kleinen Ort Pailua und nicht Russell, die erste Hauptstadt Neuseelands. Diese war früher mit dem zweifelhaften Ruf der „Hölle des Pazifik“ versehen (Seeleute, Walfänger, Sträflinge und deshalb Rotlicht-Viertel überall).

Die noch vorhandenen Wolken lösen sich auf und wir bekommen das richtige Feeling: nette Cafés, ein kleiner Kunsthandwerkermarkt mit schönen selbst hergestellten Erzeugnissen. Unsere ‚Queen Victoria‘ ist nicht das einzige Schiff ‚auf Reede‘, auch die ‚Seabourne Encore‘ liegt vor Anker, es sind also etwa 4.000 Kreuzfahrtreisende in der Bay. Aber die Einheimischen sind tiefenentspannt.

In der Nähe von Pailua liegt Kerikeri, ein kleines Städtchen mit etwa 4.000 Einwohnern, ebenfalls an einer Meeresbucht gelegen.

Hier steht das älteste noch erhalte Steinhaus aus dem Jahr 1835.

Heute ist es ein Museum und hat einen Vintage-Laden. Hier kann man vom handgeschmiedeten Nagel über handgeschnitzte Wäscheklammern bis zur selbst hergestellten Kernseife alles kaufen, was die Menschen vor 150 Jahren für das tägliche Leben brauchten. Das Haus ist Teil der Kerikeri Missions-Station, die im Jahre 1819 als zweite europäische Mission auf den Inseln eingerichtet wurde.

Nur wenige Kilometer entfernt der Whangarei-Wasserfall. Eigentlich fließt hier nur ein kleiner Fluss – aber wenn das Wasser 26 m tief über die Basalt-Klippen fällt, ist das schon beeindruckend.

Besonders interessant ist Waitangi, ein malerisch am Wasser gelegener Platz, auf dem ein einsames Holzhaus aus dem früheren 19. Jahrhundert steht. Vor diesem Haus wurde 1840 ein für Neuseeland bedeutender Vertrag geschlossen. Zu dieser Zeit waren hier gerade einmal 2.000 aus Europa stammenden Siedler (meist aus England) – in Maori ‚Paheka‘ genannt. Die hier lebenden 115.000 Maori stammten ursprünglich aus China und Südostasien und kamen etwa um 1300 mit dem Kanu über Samoa, Tonga, Fidschi und Tahiti und besiedelten das Land. Die europäischen Siedler und die Maori vereinbarten an diesem Platz eine friedliche Zusammenarbeit.

Die Maori gestatteten Queen Victoria (also Großbritannien) das Recht, Land zu erwerben. Im Gegenzug erhielten sie alle Rechte und Privilegien britischer Staatsbürger. Auch wenn dieser Vertrag in den Jahrzehnten danach Gegenstand vieler Auseinandersetzungen war begründete er doch für die Maori eine wesentlich bessere Ausgangsposition als für die Aborigines in Australien.

Zur Erinnerung an die Maori wurde neben dem ‚Waitangi-Treaty-House‘ ein traditionelles Versammlungshaus errichtet. Es ist reich mit Holzschnitzarbeiten ausgestattet und erinnert an den Vertragsschluss am 6. Februar 1840. Deshalb ist dieser Tag neuseeländischer Nationalfeiertag.

Vielleicht das beeindruckendste Exponat ist das Maori Krieg-Kanu, das man 1940 aus Anlass der 100-Jahr-Feier des Vertrages gebaut hat. Es ist rund 35 Meter lang und gut 2 Meter breit. 120 Männer können darin sitzen – auf jeder Seite 40 Paddler, in der Mitte 40 Mann Ersatz. Mit einem solchen Kanu sollen die Maori erstmals im Jahre 950 Neuseeland erreicht haben. Die Aufzeichnungen waren so genau, dass die Maori 350 Jahre später Neuseeland wiedergefunden haben.

Angetrieben von den Paddlern konnte das Kanu eine Geschwindigkeit bis zu 30 Knoten (circa 50 Kilometer pro Stunde) erreichen. Es ist ein beeindruckendes Stück Bootsbaukunst ohne einen einzelnen Nagel. Einmal im Jahr am Nationalfeiertag wird das Boot zu Wasser gelassen.

Nach diesen ganzen wunderbaren Eindrücken fällt es schwer das Land zu verlassen. Wir verabschieden uns mit Wehmut (und einigen Souvenirs) von Neuseeland und nehmen Kurs auf Sydney (Australien).

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