Sydney – keine Stadt für Anfänger

Welches Bild hat man zuerst im Kopf, wenn man an Sydney denkt? Natürlich die Oper und die berühmte Harbour Bridge.

Von dieser Brücke aus wird einige Stunden vor uns in Europa das neue Jahr begrüßt.

Unsere Queen Victoria läuft morgens in der Dämmerung in den Hafen ein und ankert am ersten Tag ca. 300 Meter von der Oper entfernt. Sydney ist mit Abstand die größte Stadt Australiens mit ca. 5 Millionen Einwohnern und der erste Hafen, den wir in diesem riesigen Land anlaufen.

Im Sonnenaufgang erstrahlt die Oper im schönsten Licht, schräg dahinter ist die Brücke zu sehen. Der dänische Architekt der Oper hat sich während der Bauphase mit den aus seiner Sicht viel zu bürokratischen Baugenehmigungs-Behörden zerstritten und reiste im Zorn ab. Er sah sein Lebenswerk, dass die Australier dann eins zu eins umgesetzt haben, nie in Funktion.

Sydney (und die Reiseplaner von Cunard) tun alles, um uns zu beeindrucken. Wir werden mit sehr komfortablen örtlichen Tenderbooten unmittelbar neben der Oper abgesetzt.

Wir befühlen die an riesige Muscheln erinnernde Dachkonstruktion und stellen fest, dass dies US glasierten und gebrannten Keramik-Plättchen besteht, damit die Konstruktion der immensen australischen Hitze standhält. Und warm ist es an diesem Spätsommertag Ende Februar.

Unser Ausflug führt uns zuerst in den botanischen Garten, der direkt im Anschluss an die Oper auf der Spitze einer Landzunge liegt. Wir laufen am alten Gouverneurs-Haus vorbei und bleiben vor dem berühmten ‚Mrs. Macquaries Point‘ stehen. Sie war die Ehefrau des Gouverneurs und hatte hier quasi ihre eigene Schiffsbegrüssungsanlage. Sie winkte von hier aus den ein- und auslaufenden Schiffen zu.

In der nächsten Bucht dominieren graue Schiffe und U-Boote der Navy das Bild: Militärisches Sperrgebiet. Davor in der ‚Woolloowoolloo Bay‘ die fast 500 Meter lange ‚Finger Wharf‘, ein in einem alten Werft-Gelände angelegter hochmoderner Komplex mit Bars und Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten und Appartements. Überall wird man auf die militärische und juristische Vergangenheit der Stadt aufmerksam gemacht.

Ursprünglich war Sydney für Großbritannien als Strafkolonie geplant. Die Engländer wollten die überfüllten Gefängnisse in ihrer Heimat leeren. So waren die ersten aus Europa stammenden Bewohner Sydneys (und ganz Australiens) Strafgefangene und Soldaten, die sie bewachten. Der Diebstahl von zwei Broten reichte dafür schon aus. Erst später kamen echte Siedler dazu.

Entlang der örtlichen Küste geht es durch einige gepflegte Stadtteile zum ‚Macleary Point‘, einer steilen Klippe mit bemerkenswertem Blick.

Anschließend geht die Fahrt weiter zum berühmten ‚Bondi-Beach‘. Türkisfarbenes Wasser, weißer Sand, aber nur knapp einen Kilometer lang – umgeben von reichlich Bebauung. Hier soll das Surfen seinen Ursprung gehabt haben. Die Bucht des Bondi-Beach (und die aller anderen Strände) sind mit großen Netzen ausgestattet. Sie sollen das Eindringen von Haien verhindern. Beim nicht australischen Besucher bleibt trotzdem ein mulmiges Gefühl zurück, obwohl die Netze jeden Tag kontrolliert werden.

Die sicheren Abschnitte des Strandes sind von der Liveguard bewacht und mit Flaggen gekennzeichnet. Die Mutigen schwimmen und surfen jedoch ‚between the flags‘ (also in etwas risikoreicheren Gefilden‘) – und das steht dann auch auf T-Shirts und Kappen.

Mindestens genauso schön und weitaus größer und entspannter ist der Manly-Beach im Norden Sydneys, wo die ‚Sydneysider‘ (so nennen sich die Einwohner der Stadt) schwimmen, surfen und einfach den Sommer genießen.

Hier zieht es auch die jungen Mütter mit ihren Babies hin, den die Umgebung ist hier natürlicher als am Bondi-Beach.

Wir sind wieder zurück an der Oper und spazieren den ‚Circular Quay‘, die Fußgängerzone mit vielen Restaurants und Cafés direkt am Fischer-Hafen. Hier fahren im Minutentakt die Fähren in die Vororte von Sydney. Wir essen auf Empfehlung unserer australischen Freunde vom Schiff in der ‚Oysterbar‘ direkt am Pier sehr leckere Kingprawns.

Unser Schiff legt hier am Abend auch an, denn Sydney hat nur einen einzigen Anlegeplatz. Und der war von einem anderen Kreuzfahrtschiff noch belegt. Und unser Balkon liegt genau gegenüber der Oper – Wahnsinn!

Fussläufig vom Pier befindet sich das älteste Viertel der Stadt ‚The Rocks‘, mit alten Backsteinhäusern und einer interessanten Kneipen-Szene.

Hier kann man sich auch seine eigenen ‚Candies‘ herstellen lassen.

Ein Aborigine sammelt Geld und protestiert gegen den Umgang mit seinem Volk.

Beim Rundgang durch den Stadtkern passiert man Hochhäuser und Straßenschluchten, die an New York erinnern.

Auffällig ist das hohe Preisniveau in allen Bereichen- ob Mode, Kosmetik oder Lebensmittel und die Vielzahl an Luxusmarken wie Gucci, Bulgari, Fendi, Dior etc. etc. Vor den Türen stehen Schlangen von wartenden Kundinnen und Kunden, meist aus China.

In Auckland haben wir es ausprobiert und uns die Stadt vom höchsten Turm aus angeschaut. So machen wir es auch hier: Der ‚Sydney Tower Eye‘ beschert uns einen großartigen Blick auf die Stadt und die weitläufigen Vororte, in denen mit insgesamt mehr als 6 Millionen Menschen gut 20 Prozent aller Einwohner des Kontinents leben. Für uns ein besonders interessantes Detail: von Sydney aus sind New York und Berlin fast auf den Kilometer gleich weit entfernt nämlich rund 16.000 Kilometer.

Von hier oben hat man einen wunderschönen Blick auf die Harbour Bridge und kann die mutigen Touristen ameisenklein erkennen, die auf geführten Touren oben über die eiserne Brückenkonstruktion geführt werden.

Unser abschließender Rundgang führt uns durch den nagelneu gestalteten Darling-Harbour, in dem Touristenattraktionen, Einkaufszentren und Ausflugsschiff-Anlegestellen das Bild beherrschen. Anschließend laufen wir voll mit tollen Eindrücken und etwas müde zurück.

Hier ist ungefähr die Halbzeit unserer Reise erreicht. In Sydney sind ungefähr 1.000 Passagiere ein- und ausgestiegen. Leider auch Toni und Marilyn unsere englischen Tischnachbarn, die inzwischen zu Freunden geworden sind.

Wir laufen am Abend mit großem Bedauern aus. Sydney ist so vielfältig und vielschichtig – ‚No town for Beginners‘ wie die Einwohner sagen.

Der kommende Seetag ist für die Erholung wichtig – danach laufen wir Brisbane an.

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