Eine völlig andere Welt als bisher tut sich in Bali auf. Wir kommen am frühen Morgen an – und wir müssen tendern, denn der Hafen für die großen Kreuzfahrtschiffe ist noch nicht fertig. Die Insel Bali mit ihren rund 4 Millionen Einwohnern lebt vom Tourismus. Allerdings sorgen auch hier die Naturgewalten für einige Probleme. Aufgrund eines Vulkanausbruchs, eines Tsunami und verschiedenen Anschlägen blieben die Touristen jeweils im Jahr der Geschehnisse aus. Wir werden mit balinesischen Tänzen willkommen geheißen und unser Tourguide Leo begrüßt uns mit ’selamat pagi‘, was ‚Guten Morgen‘ heißt.



Wir fahren vom Hafen Benoa aus nach Ubut, ungefähr eine Stunde Fahrt – normalerweise. Da wir durch unser Schiff und die Tenderboote aber eine Stunde verspätet gestartet sind, kamen wir in die Rush-Hour und brauchten fast doppelt so lange. Hier ist der Verkehr unglaublich – die Straßen sind verstopft deshalb fahren viele Einwohner mit einem Moped zur Arbeit beziehungsweise zu ihren Terminen. Auf dem Sozius sieht man dann schonmal 3 Personen eng aneinander gedrängt sitzen. Der Verkehr ist deshalb so extrem, weil es hier keine öffentliche Verkehrsinfrastruktur gibt.

Ubut ist das künstlerische Zentrum Balis. Vor allem Malerei und Textilkunst, aber auch traditionelle Holzschnitzereien werden in Ubud gepflegt.
Wir besuchen die Tempelanlage Pura Sri Saraswathi, der in den 1950er Jahren erbaut wurde und der Hindugöttin Sri Saraswathi, der Göttin der Weisheit, der Künste, der Bildung und des Lernens, geweiht ist.

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Bali wird die „Insel der Tausend Tempel“ genannt. Unser Tourguide sagt mit einem Augenzwinkern, Bali heißt eigentlich ‚Viele Ferien‘. Jedes Hindu-Dorf hat drei Tempel: den Pura Puseh (Ursprungstempel), den Pura Desa (Tempel der großen Ratsversammlung) und den Pura Dalem (Todestempel).
Dazu hat noch jedes Haus seine eigenen Tempel und an markanten Punkten (Straßenkreuzungen, Ortseinfahrten, Banyan-Bäume etc.) gibt es Kleintempel, aufwändige Figuren oder zumindest einen Opferstock, der im Extremfall ein einfacher Stein sein kann. So kommt Bali auf insgesamt 30.000 Tempel.




Anschließend besuchen wir einen örtlichen Markt, denn Ubut ist auch für seine wunderschönen Textilien bekannt. Tolle Stoffe, schöne Kleider – leider zu wenig Zeit, um sich näher damit zu beschäftigen.



89 Prozent der Bevölkerung auf Bali sind Balinesen und 92 Prozent haben den Hinduismus als Religion. Religiöse Feste und Riten begleiten den Menschen hier von der Geburt bis zum Tode und darüber hinaus. Feiertage und Volksfeste und Versammlungen werden immer mit einer Tempelzeremonie eingeleitet. Am 7. März war der sogenannte Silent Day – ein Tag, an dem nichts aber auch garnichts stattfindet. Es darf kein Licht gemacht werden, alle müssen zuhause bleiben. Es öffnet kein Restaurant, es darf nicht gearbeitet werden – die Menschen sollen sich auf sich selbst besinnen.

Die Wichtigkeit der Tempel wird uns noch einmal bewusst, als wir eine private Familie in Kemenuh besuchen dürfen. Hier erhalten wir einen kleinen Snack mit einheimischen Früchten und wunderbar schmeckendem Kokosreis mit Banane. Leo erklärt uns die Bedeutung der einzelner Riten: eine hölzerne Glocke lädt zu den einzelnen Feiern im Tempel ein. Tönt die Glocke langsam, ruft man in den Tempel, ertönt sie jedoch schnell bedeutet das Alarm.
Ein hauseigenes Glockenspiel – genannt Gamalan – dient der Hausmusik.









Die Familie lebt von ihren Handschnitzereien. Auch dies ist eine Kunst, die in der Umgebung von Ubud gepflegt wird. Wir sehen Stühle und Skulpturen mit wunderschönen Schnitzereien.




Die besuchte Familie gehört der mittleren Kaste an: das sieht man an der gelbgoldenen und weißen Farbe der Tücher. Diese Tücher zeigen nach außen die jeweilige Zugehörigkeit der Kasten. Schwarz-weiß karierte Stoffe stehen für die unterste Kaste, gelbgold/weiß für die mittlere und reines gelbgold steht für die oberste Kaste. Die Tücher der Kaste werden alle 210 Tage ausgewechselt und erneuert.

In diese Kaste wird man hineingeboren und kann sie auch nicht wechseln. Man heiratet auch nur innerhalb der eigenen Kaste. Möchte man einen Mann oder eine Frau aus einer anderen Kaste heiraten, wird eine Art Gericht abgehalten, bei dem sich das angehende Ehepaar vor allen dafür entschuldigen muss. Sie gehören nach der Heirat keiner Kaste mehr an und sind auf sich selbst gestellt.
Im Hinduismus sind in allen Erscheinungen Götter gegenwärtig. Alles in der Natur hat eine eigene Macht, die die Macht der Götter widerspiegelt: Felsen, Bäume, ein Dolch, sogar Kleidung können von Geistern bewohnt sein, deren Macht man zum Guten oder Bösen benutzen kann.

Im Meer befindet sich die Unterwelt, auf den Vulkanen leben die Götter und der Ahnenkult ist ausgeprägt. Es gibt Tausende von Heilern und Schamanen, die sämtliche Dienstleistungen von der Heilung über das Wahrsagen bis zum Liebeszauber anbieten. Es gibt überdies einen „weißen (guten) und schwarzen (bösen) Schamanismus“. Grundgedanke ist stets die Wiederherstellung der gestörten Harmonie.

Weiter geht die Fahrt nach Gianyar, wo wir eine Weberei besuchen, eine wichtige Grundlage für die Textilindustrie. An den Webstühlen sitzen Frauen, die kunstvoll das dünne Garn führen, um Stoffe für Kleider, Hemden, Schals und vieles mehr herzustellen. Die Muster sind in der Garnrolle und vereinfacht die Herstellung. Hier finden wir für unsere Enkelkinder Max ein schönes Hemd und für Emily ein handgewebtes Kleid.




Den krönenden Abschluss (zumindest dachten wir das) bildete der Besuch des Semarapura Kelod in Klungkung – eines ehemaligen Justizpalastes. An den Decken- und Wandgemälden konnte man die jeweiligen Strafen für die Vergehen sehen: vom Diebstahl bis zur Abtreibung war alles abgebildet.





Auf der Rückfahrt sehen wir überall Reisfelder, das Grundnahrungsmittel der Balinesier.

Leider sehen wir auch viele rauchende Häuflein- die Einheimischen verbrennen ihren Müll einfach. Und wieder stehen wir im Stau – die Stunde Verspätung von heute Morgen holt uns ein. Wir kommen mit eineinhalb Stunden Verspätung am Hafen an – und sehen keinerlei Tenderboot, das uns zum Schiff zurückbringt. Gegen 17 Uhr ging das letzte, jetzt ist es 17.30 Uhr. Da wir jedoch einen offiziellen Ausflug gebucht haben, machen wir uns keine Gedanken. Wir erfahren, dass insgesamt noch 247 Passagiere fehlen.
Cunard entscheidet sich für den Einsatz eines örtlichen großen Tenderbootes, dass alle restlichen Passagiere aufnehmen soll.

Wir nehmen also Platz – und wunderbar, das Boot hat auf jeder Etage eine Getränkebar. Wir sitzen auf dem obersten Deck, trinken ein örtliches Bier und warten.

Gegen 18.30 Uhr ist unsere Gruppe immer noch die einzige auf dem Boot. Der zuständige Steward entscheidet, dass wir nicht länger warten und wir fahren in einen wunderschönen Sonnenuntergang, der die Queen Victoria in goldenes Licht taucht.






Ein toller und unerwarteter Abschluss. Die letzten Passagiere kommen erst gegen 20.00 Uhr – und mit 2-stündiger Verspätung legt die Queen Victoria ab Richtung Vietnam.
Hallo ihr beiden, das ist eine schöne und zugleich interessante Reise mit vielen unterschiedlichen Eindrücken. Ich grüße euch aus Mallorca, nicht ganz so spektakulär. Hier sind es derzeit etwa 18 Grad, sonnig, während es in Deutschland Sturm, Regen und teilweise noch Schnee gibt. Noch viel Spaß und Schöne Erlebnisse! MONIKA
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