Man spricht deutsch in Namibia – zumindest in Swakopmund!

Unser Hafen in Namibia ist Walvis Bay, die mit gerade einmal 85.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt des Landes nach der Hauptstadt Windhoek mit etwa 350.000. Überhaupt: das Land ist sehr dünn besiedelt, hat gerade mal zwei Millionen Einwohner, ist aber gut doppelt so groß wie Deutschland.

Die rund 1.600 Kilometer lange Küste des Landes weist nur drei nennenswerte Orte auf, nämlich Walvis Bay, das 35 Kilometer entfernte Swakopmund sowie Lüderitz, rund 400 Kilometer südlich gelegen. Ansonsten nur kleinste Siedlungen mit weniger als 1.000 Einwohnern!

Walvis Bay wurde um 1840 von den Briten übernommen, nachdem sich in den Jahrhunderten zuvor die Portugiesen an der Küste aufgehalten haben. Sie gründeten jedoch keine dauerhaft besiedelte Stadt wegen fehlender Trinkwasserquellen.

Für England war Walvis Bay ein wichtiger nordwestlicher Vorposten vor der Kap-Kolonie. Auch als in den 1880er Jahren das kaiserliche Deutschland das heutige Namibia als ‚Deutsch Südwest-Afrika‘ ins Kolonialreich eingliederte, blieb Walvis Bay britische Enklave. Die Stadt wurde 1910 Südafrika angeschlossen, kurzzeitig von deutschen Schutztruppen zu Beginn des Ersten Weltkrieges eingenommen, aber schon 1915 von südafrikanischen Truppen zurück erobert.

Erst 1994, vier Jahre nach der Unabhängigkeit von Namibia, wurde die Stadt von Südafrika an die junge Republik zurückgegeben.

Die Eindrücke von Walvis Bay sind übersichtlich und schnell geschildert: die Stadt besteht ausschließlich aus einstöckigen Wohnhäusern und einigen wenigen 2 – 3 geschossigen Bürogebäuden oder Geschäften. Jedes Haus ist von einer hohen und it Elektrodraht verstärkten Mauer versehen, die vorherrschende Farbe ist gelb-braun. Am Rande der Stadt beginnt die Namib-Wüste.

Einige wenige Wohngebäude direkt an der Lagune, der Meeresbucht von Walvis Bay, sind etwas anschaulicher und haben sogar grünen Rasen, der dem Auge gut tut. In der Lagune und den sich im Hinterland anschließenden Seen einige lachsrote, rosafarbene und orange Farbtupfer: hier leben Flamingos und Pelikane.

Wir machen diesmal getrennte Ausflüge: ich fahre mit dem Boot zu Pelikanen, Robben und Delphinen. Der Ausflug meines Mannes führt zur ‚Düne 7‘ und nach Swakopmund!

Als ich das Boot besteige, habe ich das Gefühl, wir sind im Winter angekommen! Kalter Wind – die Sonne fehlt noch, wir bekommen Decken!! So habe ich mir den Ausflug in Namibia nicht vorgestellt.

Kaum sind wir losgefahren, schwebt ein riesiger rosafarbener Pelikan über uns und nimmt direkt vor mir Platz. Die Flügelspannweite beträgt zwischen 2,30 und 3,60 Metern. Auch die Schnäbel sind nicht zu verachten: sie können von 3,50 bis 4,70 Meter lang werden. Die Weibchen haben kürzere Schnäbel und auch ihre Spannweite ist nicht so groß.

Ich darf den männlichen Pelikan füttern und er bleibt bis zum Schluß unseres Ausfluges an Bord.

Kaum ist er gefüttert kommen immer mehr Pelikane, um sich die  Fische, die sie nicht mühsam fangen müssen, schmecken zu lassen. Sie stolzieren um uns herum und geben grunzend stöhnende Laute von sich. Unser Tourguide erklärt, dass dies die normale Art der Verständigung ist. Pro Trag fressen die Pelikane rund 1 Kilogramm Fisch.

Wir fahren weiter, um Delfine zu sichten. Das ist nicht so einfach, da sich im Meer auch jede Menge Robben tummeln. Sie von den Delfinen zu unterscheiden lernen wir in kurzer Zeit. Die Delfine (Heaviside-Delfine) sind relativ klein und springen kurz aus dem Wasser. Hier einen Treffer mit der Kamera zu landen, grenzt schon an ein Wunder. Aber einige schwimmen direkt am Boot vorbei.

Der Heaviside-Delfin ist benannt nach einem Schiffskapitän namens Haviside, der als Erster ein Exemplar dieser Delfine von Namibia nach Großbritannien brachte. Bei der Benennung wurde sein Name allerdings verwechselt mit dem eines anderen Kapitäns und Walforschers namens Heaviside. Auf diese Weise hat sich dieser Name in der Benennung des Wales bewährt, einige Forscher und Fachbücher nutzen allerdings den ursprünglich gewollten Namen und benennen das Tier als Haviside’s Dolphin.

In Namibia wird das Tier auch mit dem Trivialnamen Benguela Dolphin bezeichnet (benannt nach dem Benguelastrom).

Wir sind noch ganz aufgeregt, als sich auf einmal eine Robbe unserem Schiff nähert und gemütlich aufsteigt, als würde sie den Bus nehmen. Auch sie bleibt vor mir sitzen und wird natürlich gefüttert. Anschließend erforscht sie das ganze Schiff – wir finden das zum Lachen, der Schiffseigentümer versucht sie jedoch aus der Kajüte zu locken.

Mit großem Bedauern verlassen wir nach Ende des Ausfluges das Boot. Es hat sehr viel Spaß gemacht!

Der Ausflug meines Mannes geht über Straßen, die meist nicht asphaltiert sondern mit einer zunächst undefinierbaren schwarzen Masse belegtsind. Er fragt den Tourguide, der das Rätsel auflöst. Die Straßen bestehen aus knüppelhartem Steinsalz, dem größten und wichtigsten Exportgut des Landes. Vorzugsweise nach Europa und Nordamerika exportiert, wird es dort zu Streusalz weiterverarbeitet.

Am Rande der Stadt liegt die berühmte ‚Düne 7‘ , der markante und gut 200 Meter hohe Beginn der Namib-Wüste. So hat man sich eine Wüste vorgestellt: eine kleine Oase mit ein paar Palmen inmitten von gelbem Sand. Die Gruppen erklimmen die erste Düne und stellen fest, wie anstrengend es ist zu klettern, wenn man bei jedem Schritt tief in den Sand einsinkt.

Die Fahrt über die Salz-Piste nach Swakopmund dauert eine halbe Stunde. Die Umgebung weist nur gelbe und braune Wüstenhügel auf, daneben die Trasse der Eisenbahn- endlich erreicht der Bus die Vororte der Stadt. Sie wurde im Jahre 1842 von der kaiserlich deutschen ‚Schutztruppe‘ als Gegengewicht zum britischen Walvis Bay gegründet. Der Name stammt von dem (meist trockenen) Flussbett des Swakop-Flusses, der neben dem Ort in den Ozean mündet. Gerade einmal 120 Soldaten und 40 Zivilisten waren die ersten Bewohner, die noch im Gründungsjahr mit der ‚alten Kaserne‘ die erste Unterkunft errichtete.

Die meisten der Einwohner sind Schwarze, die in grauenhaft primitiven Hütten in mehreren Slums wohnen. Zusammengebastelt sind sie aus alten Paletten, Holz, Wellblech, Kunststoff und allem, was Sonne und Regen irgendwie abhalten kann. Es gibt keine sanitären Einrichtungen (am Rande der Slums stehen hunderte von Dixi-Klos) und eine zentrale Frischwasserversorgung an einzelnen Zapfstellen für jeweils rund hundert Hütten. Die Regierung von Namibia ist derzeit dabei, die Lebensbedingungen für die arme Bevölkerung deutlich zu verbessern. Neben den Slums werden mehrere Tausend kleine Häuser errichtet, die ein wenig an Schrebergarten-Häuschen bei uns erinnern. Für die schwarze Bevölkerung sicherlich eine riesige Verbesserung, zumal zu jedem Haus eine kleine Parzelle Land gehört. Es wird wohl noch einige Jahre dauern, bis die bedrückenden Slums verlassen sein werden. Die Arbeitslosigkeit ist groß, die Glücklichen haben eine Arbeit zum Beispiel in den Salzgruben oder beim Uran-Abbau (etwa 40 Kilometer entfernt) gefunden. Viele versuchen sich auch als Verkäufer von afrikanischen Souvenirs.

Über den Ort Swakopmund selbst ist zu sagen, dass er einer norddeutschen Kleinstadt ähnelt. Bezirksgericht, Schule, Krankenhaus, Polizeistation, Gefängnis, Kirche und Altenheim- alles im Stil der Jahrhundertwende von etwa 1900 bis 1915 erbaut, viel Jugendstil ist zu sehen.

In der Innenstadt ist das ‚Hansa-Hotel‘ von 1905 zu sehen neben der ‚Adler-Apotheke‘, es gibt eine gut sortierte Buchhandlung mit deutschsprachigen Büchern, viele Geschäfte mit deutschstämmigen Eigentümern. Wir finden eine Bäckerei und Konditorei mit sehr guten Backwaren. Natürlich fehlt auch das Swakopmunder Brauhaus mit ‚Hansa Pils‘ vom Fass aus Namibia und frischen Mettwürsten nicht.

Im örtlichen Textil-Geschäft und Spezialshop für Safari-Bekleidung erzählt der Inhaber von seiner Ausbildungszeit in Leverkusen und zeigt sich gut und detailliert informiert über die aktuelle Situation in der Fußball Bundesliga.

Ein Besuch im örtlichen Heimatmuseum zeigt viele Exponate aus der deutschen Vergangenheit – vom Hinweisschild auf das kaiserliche Postamt bis zur Jubiläumsurkunde des Deutschen Sängerbundes für den Männergesangverein Swakopmund.

Ein wenig verwirrt von dem Nebeneinander eines ‚typisch deutschen‘ Kriegerdenkmals aus der Kaiserzeit und den Schwarzafrikanern, die davor ihre Waren anbieten, verlässt die Gruppe den Ort. Er erweckt den Eindruck- wohl auch wegen der wenigen Autos und der vielen freien Parkplätze- als sei er in den 50er Jahren stehen geblieben. Zurück in Walvis Bay nutzen wir die Zeit bis zur Abfahrt unserer ‚Queen‘ für einen Besuch einer nagelneuen hochmodernen Shopping Mall. Sie liegt in unmittelbarer Nähe der ‚Düne 7‘ – willkommen zurück im 21. Jahrhundert!

Der nächste Stopp ist Gran Canaria – oh Gott, bestimmt ein Kulturschock.

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